Kreisverband Jena der Piratenpartei Deutschland

Werkausschuss KSJ 02.12.2015: Alles nicht so schlimm

Goetterbaum2Ich sitze in den falschen Ausschüssen. Im Sozialausschuss gab es ja schon mal Pfefferkuchen, im Werkausschuss jenarbeit gibt es Wasser und Kaffee, im Stadtentwicklungsausschuss, der mit Abstand die längsten Sitzungen hat, ist die Luft kostenlos.
Im Werkausschuss KSJ ist der Tisch reichlich gedeckt: Brötchen, Kaffee, Schokoladennikoläuse, Obst. Ich wäre beinahe wieder umgekehrt, weil ich glaubte, in die falsche Party geraten zu sein. In der nächsten Legislatur sollte ich über einen Wechsel nachdenken.
Ich bin zu Gast, um zum vierten Mal dafür zu werben, in Jena keine invasiven Bäume und Sträucher mehr zu pflanzen. So schwierig hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber ich bin auch nicht leicht zu entmutigen. Stimmrecht habe ich in diesem Ausschuss nicht, nur Rederecht.

Öffentlicher Teil

0. Der Stadtförster erzählt – Porträt Walderlebnis (Olaf Schubert)

Der Jenaer Stadtforst umfasst 3000 ha Wald – das ist nicht wenig für eine Großstadt. Die Stadtforstverwaltung hat 8 Mitarbeiter und diverse Praktikanten. Es gibt einen enormen Kontrollaufwand, denn nach gesetzlichen Vorgaben müssen Bänke, Schutzhütten und Geländer jedes halbe Jahr kontrolliert werden, Bäume an Straßen dagegen nur jedes anderthalbe Jahr. 2 Mitarbeiter tun nichts anderes als kontrollieren und protokollieren. Oh schöne deutsche Bürokratie.
Es gibt 7 Naturschutzgebiete im Stadtgebiet, fast flächendeckend Flora-Fauna-Habitat-Gebiete und Landschaftsschutzgebiete, dazu das Naturschutzgroßprojekt. Im Grunde ist schon Laufen neben dem Weg strafbar, aber das wird eher nicht durchgesetzt. Pilzesuchen ist fast überall eine Ordnungswidrigkeit. Man sieht daran deutlich, wie wertvoll die Biotope rings um die Stadt sind.
Durch die Universität ist das Jenaer Umland einer der am besten untersuchten Landschaftsräume, da es jede Menge forschungswütiger Studenten gibt, die praktisch alles untersuchen.
2015 gab es 150 Veranstaltungen zur Waldpädagogik mit 3000 Besuchern. Das wird größtenteils über Honorarkräfte abgedeckt. Teilweise über Einnahmen, teilweise von KSJ finanziert. Es gibt inzwischen auch lehrplanabgestimmte Programme.
Wildabschusspläne werden je nach Bedarf aufgestellt. Wildschweine gehen am liebsten in Gärten. Monokulturen auf Feldern mästen die Schweine und ziehen sie an.
Jeder 2. Fuchs in Jena hat den Fuchsbandwurm, der Entwicklungszyklus dauert 8 Jahre. Trotzdem ist die Infektionsrate bei Menschen niedrig. Die Übertragung erfolgt eher über Haustiere wie Hund und Katze, wenn man die nicht entwurmt, als direkt durch den Waldbesuch.

1. Tagesordnung

die wird hier nicht abgestimmt.

2. Protokollkontrolle

4/0/5

3. III. Quartalsbericht

Ich gestehe, dass ich hier wenig bis nichts verstehe, denn jede städtische Einheit macht den Bericht irgendwie anders.

4. Einlage und Entnahme von Grundstücken in das Sondervermögen von KIJ und KSJ

zum 01.01.2015 bzw. 01.01.2016
Vorlage: 15/0624-BV
Dadurch, dass alle irgendwie verwertbaren Grundstücke von KIJ vermarktet werden, die zu unterhaltenden Infrastrukturen aber an KSJ, kommt es immer wieder zu einem Flächentausch zwischen diesen beiden Eigenbetrieben.

5. Verzicht der Stadt Jena auf die Pflanzung invasiver Arten

Vorlage: 15/0490-BV
In meinem neuen Vortrag gehe ich ausführlich auch auf die Argumente des ThINK gegen unsere Vorlage ein – die angebliche Lebensunfähigkeit der einheimischen Arten, die angebliche Harmlosigkeit der invasiven. Allerdings kennen die Anwesenden das Problem überhaupt noch nicht, also bringe ich auch noch die Grundlagen unter.
Anschließend trägt ein Mitarbeiter der Stadtforstverwaltung vor, was eigentlich invasive Arten sind. Das ist alles relativ abstrakt, zumal er meint, die Definition des deutschen Bundesnaturschutzgesetzes zu invasiven Arten durch weitere ergänzen zu müssen. Danach ist alles invasiv, was seit der letzten Eiszeit eingewandert ist. Damit sind wir ganz weit weg von den aktuellen Problemen.
Das wird mit Stadtförster Schubert nicht besser. Der bringt gleich noch das tropische Tertiärmeer an, um zu zeigen, dass jedes Biotop nur ein Übergangsstadium ist und Veränderungen normal. Dass Robinie und Götterbaum wahrscheinlich eine Million Jahre brauchen würden, um zu Fuß nach Deutschland zu kommen, findet er nicht erwähnenswert. Die durchaus auch gebietsfremden Schwarzkiefern im Jenaer Forst lobt er ausdrücklich. Nachdem man alle Hänge abgeholzt hatte, machten sich nämlich die Hänge selbst auf den Weg ins Tal. Mit der Pflanzung der Kiefern hielt man diesen Prozess auf. Mit anderen Worten: Nachdem man die Natur ein erstes Mal versaut hatte, korrigierte man das mit einer weiteren Umweltsünde. Schließlich erklärt er noch, dass Robinien besonders wertvolles Holz hätten und man sie gern als Vorwaldstufe einsetzen würde. Bei mir schrillen die Alarmglocken. Robinien sind für die artenreichen Magerrasenflächen um Jena eine extrem große Gefahr. Aber, so der Förster, das muss uns nicht aufregen. In einigen Millionen Jahren sieht alles anders aus.
Herr Knopf vom ThINK hat nichts Neues zum Thema vorzubringen. Er wiederholt seinen Vortrag und argumentiert wieder zielgerichtet an unserer Vorlage vorbei. Die von mir angeführte enorme Wachstumsrate von Götterbäumen – 2.50 m im ersten Jahr – kommentiert er damit, dass er dabei bleibe, dass ansonsten halt Löwenzahn und Birken an diesen Stellen wüchsen.
Am Ende geht es aus, wie es ausgehen muss. Alle bedanken sich für die erschlagende Menge an Informationen. Die Koalition hat das wohlige Gefühl, dass die Jenaer Natur in guten Händen ist und man eigentlich gar nichts tun muss. Außer vielleicht die Bürger aufklären. Die sollen jetzt wieder in die Pflicht genommen werden. Aber wer soll verstehen, dass die Robinie in der Innenstadt wertvoll, in seinem Schrebergarten aber verwerflich ist?
Man hat tatsächlich drei Experten aufgeboten, um eine einzelne Piratin breitzuquatschen. Auf meine Argumente ist dabei keiner eingegangen. Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker meint, man sollte sich für die Zukunft keine Möglichkeiten verbauen. Der soll mir mal wieder mit Klimaschutz kommen. Im Tertiär hatten wir hier noch tropische Klima – was angesichts des Dezemberschmuddels nicht unattraktiv ist.
4/1/5 – nur die Opposition stimmt geschlossen zu.

6. Sonstiges

Im KSJ-Ausschuss glauben alle, dass 21:34 Uhr spät wäre und bemühen sich, jetzt ganz schnell nach Hause zu kommen. KSJ-Chef Uwe Feige schenkt mir einen überzähligen Schokoladennikolaus – „Zum Trost“. Ich habe Mühe, das mit Humor zu nehmen. Immerhin scheint ihn das Bild von einem Wiener Götterbaum beeindruckt zu haben, den ich in diesem Jahr mehrfach fotografiert habe, bis man ihn im Oktober mal wieder absägte.
Ich fahre nach Hause, schalte den Computer an und suche nach Veröffentlichungen zur Ausbreitung von Götterbaum und Robinie.


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