Allgemein Kommunalpolitik

Jena – kein Paradies für Bäume

Seit Jahren nicht fachgerechter Baumschnitt in Jena – es reicht!

Jena ist zweifellos eine grüne Stadt. Vielen Bürgern liegen dabei die großen alten Bäume in der Stadt und im Paradies besonders am Herzen. Sie sind nicht nur ein schützenswerter Teil der Jenaer Kulturlandschaft, sondern erfüllen auch mikroklimatisch in der problematischen Tallage Jenas eine wichtige Funktion. Seit Jahren fällt auf, dass der Eigenbetrieb KSJ mit diesem grünen Schatz Jenas sehr rabiat umgeht. Kronenkappungen und Starkast-Verschnitt sind an der Tagesordnung. Manche Baumgruppen, wie die Pappelreihe am Seidelplatz, werden regelrecht verhunzt. Selbst Bäume mit großem Stammdurchmesser unterzieht man einem Radikalschnitt, der mit behutsamer Baumpflege kaum noch etwas zu tun hat.

Fachleute, etwa von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), brandmarken schon seit längerem diese Vorgehensweise als nicht fachgerecht. Das gültige Regelwerk, die „ZTV Baumpflege“, definiert Baumpflege als „Maßnahme an Baum und Baumumfeld zur Vermeidung von Fehlentwicklungen und zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung der Vitalität und Verkehrssicherheit des Baumes“. Neben der Totholzentfernung handelt es sich bei den empfohlenen Maßnahmen immer um die Entfernung von Ästen mit einem Durchmesser < 5 cm (Kronenpflege, Kronenlichtung). Äste über 10 cm sollen gar nicht entfernt werden.

Das Vorgehen von KSJ, wie z.B. am Montag erneut im Paradies, ist davon weit entfernt. Kronenkappungen sind nicht baumerhaltend. Sie verschandeln das arttypische Aussehen der Bäume, machen sie anfällig gegen Fäulnispilze und Baumkrankheiten. Der Baum reagiert darauf wie ein Mensch, dem man den Hals zuschnürt, da sein Laub und damit die Photosynthese verlorengegangen ist. Panisch treibt der Baum sogenannte „Ständer“ oder „Wasserreiser“ aus, um den Verlust zu ersetzen. Dies führt nicht nur zum Absterben von Wurzelbereichen, sondern zu neuen Instabilitäten, die weitere Schnittmaßnahmen erfordern. Das treibt wiederum die Kosten in die Höhe (siehe z.B. die Linden am Seidelplatz).
KSJ muss sich fragen lassen, warum die Baumpflege nicht nach dem anerkannten wissenschaftlichen Stand erfolgt und sehr selten erforderliche Sondermaßnahmen mittlerweile zur Routine geworden sind. Da nicht wenige Bäume durch diese Radikalkuren bereits abgestorben sind (z.B. am Stadion), sollte die Stadt, zu derem Eigentum die Bäume gehören, über Schadenersatzforderungen gegenüber KSJ nachdenken.

Leider lässt die grüne Stadtratsfraktion kein Interesse an dieser Thematik erkennen. Wer kein Problem mit der Fällung der Platanen mitten im Stadtzentrum hat, verschwendet auch keinen Gedanken an einen geschädigten Stadtbaum. Im Gegensatz dazu wenden sich die PIRATEN Jena entschieden gegen diese nicht fachgerechten Maßnahmen und werden die Problematik in ihr Wahlprogramm zur Stadtratswahl im Frühjahr 2014 aufnehmen.

Gekappte Bäume im Stadtgebiet und im Paradies:

Mehr Informationen zu dem Thema:

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