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Wirtschaftsstudie: Jenaer Unternehmen unzufrieden mit Wohnungsbau und Netzanbindung

Die kürzlich vorgelegte Prognos-Studie zur Entwicklung der Wirtschaft in Jena bis 2025 zeigt, dass die Unternehmen der Stadt auf dem richtigen Weg sind. Durch die Konzentration auf innovative Geschäftsfelder könnten in den nächsten Jahren weitere 5000 Arbeitsplätze entstehen – in Thüringen einzigartig und selbst im Deutschlandvergleich mehr als respektabel. Allerdings darf nicht vergessen  werden, dass sich die Anzahl der Beschäftigten bereits seit 2000 um 12,3  Prozent erhöht hat. Eine weitere Steigerung wird nicht am Mangel an guten Ideen und Produkten scheitern – vielleicht aber an der städtischen Infrastruktur.
Im Rahmen der Studie wurden unter anderem 500 Jenaer Unternehmen befragt, welche Standortfaktoren sie als wichtig erachten und wie diese Faktoren in Jena ausgeprägt sind. Während die Stadt bei Image, Autobahnanbindung und Nähe zu Forschungseinrichtungen Pluspunkte  sammelte, hapert es an anderer Stelle. So liegen bei der Breitbandanbindung Wunsch und Realität weit auseinander.
Firmen aus forschungsnahen Bereichen wie Optik, Sensorik oder Medizintechnik kann man nicht mit einer Infrastruktur aus dem letzten Jahrhundert abspeisen„, so Gerald Albe, Direktkandidat der Piraten für den Wahlkreis Jena-Gera-SHK.
Gerade die Zukunftsbranchen in der High-Tech-Industrie und Informationstechnik sind auf schnelle Datenverbindungen angewiesen, ein Problem, das seit Jahren bekannt ist. Deshalb gab es an dieser Stelle schlechte Noten von den befragten Unternehmen.
Ein anderes Problem taucht in den Antworten gleich dreifach auf: Verfügbarkeit von  Fachkräften, Parkmöglichkeiten für Pendler, Wohnungsmarkt. Die Unternehmen haben klar erkannt, dass die besten Expansionschancen nichts nützen, wenn man keine Leute findet, die die Arbeit machen. Schon heute gibt es in der Stadt mehr Arbeitsplätze als Menschen im arbeitsfähigen Alter. Etwa 11.000 Arbeitskräfte pendeln Tag für Tag ein. Die Untätigkeit des Oberbürgermeisters und der Stadtratskoalition in Sachen Wohnungsbau wurde folgerichtig mit der schlechtesten Wertung in der Befragung abgestraft.
Die politisch Verantwortlichen befinden sich schon seit Jahren in einer Art Duldungsstarre, was die Wohnraumsituation in Jena betrifft„, meint dazu Bastian Ebert, Vorsitzender der PIRATEN Jena. „Wer nicht will, dass Unternehmen an andere Standorte abwandern, weil die dringend benötigten Fachkräfte in der Stadt einfach keine Wohnung finden, muss sich jetzt vor allem um den Wohnungsbau kümmern.
Statt diese Probleme anzugehen, konzentriert sich die Stadt laut einer Pressemitteilung lieber auf die Ausweitung  der Gewerbeflächen. Hier prognostiziert die Studie einen Mehrbedarf von bis zu 39 Hektar bis 2025. Das allein wird nicht reichen, und – weniger könnte sogar mehr sein. „Nutzungskonkurrenz“ nennt die Studie den Widerspruch zwischen dem Bedarf an Gewerbe- und Wohnflächen. Auch Gewerbeflächen kann man platzsparend in die Höhe stapeln, wie das Zeiss-Werk zeigt, und riesige Firmenparkplätze erst recht. Innovative Lösungen mit der richtigen Infrastruktur sind gefragt. Nur wenn man gute Kompromisse findet, kann das prognostizierte Wachstum zum Erfolg werden.

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