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Sightseeing der anderen Art

Lauensteinweg

Stadträtin Heidrun Jänchen war mit KSJ in Jena unterwegs.

Da Clemens Beckstein seine Studenten prüfen musste (Stadtrat ist Ehrenamt, was viele Leute gern vergessen), vertrat ich ihn bei einer Stadtrundfahrt mit Kommunalservice Jena (KSJ). Straßenbau hat ja auch etwas mit Stadtentwicklung zu tun. Gezeigt wurden uns nicht die Aushängeschilder und Vorzeigeprojekte, sondern das, was man gern unter der Asphaltdecke hält. Eine Liste notwendiger Straßenerhaltungsmaßnahmen gab es als Ergänzung. „Rot sind die notwendigen Maßnahmen, schwarz die, die tatsächlich in der Planung sind“, erklärte Herr Steger. Auf der ersten Seite waren die Spaltenüberschriften schwarz, und das war’s. Weiter hinten gab es tatsächlich ein paar schwarze Zeilen, aber nicht viele.
Was ist die marodeste Brücke Jenas? Nein, nicht die Lobedaer Straßenbrücke. Es ist eine am Kaufland in Nord, unter der Kreuzung von Naumburger Straße und Am Steinbach. Letztere heißt so, weil da ein lächerliches Rinnsal fließt, mutmaßlich der Steinbach. Die Brücke ist vor allem wegen der Straßenbahn hinüber. Aber auch die in Lobeda sollte in den nächsten drei Jahren erneuert werden.
Der Grillparzerweg in Ost hat ein anderes Problem: 2.50 m breit, keine Wendestelle. Eigentlich dürfte kein Müllauto da lang fahren. Links und rechts offensichtliche Neubauten, nur ein Haus sieht nach Altbestand aus. Es ist ein Fall von Nachverdichtung und Lückenbebauung, bei dem sich keiner die Mühe gemacht hat, vorher über Verkehrswege nachzudenken. Die hätte man in Ruhe planen können, hätte man gewollt. Das Problem dabei: Von Lückenbebauung bekommt der Stadtrat nichts mit, eben weil eine Planung nicht stattfindet.
In diesem Stil ging es dreieinhalb Stunden quer durch Jena, einschließlich Closewitz. Die Überlandstraßen zwischen den Randgemeinden sind auch Problemfälle – lang, angebröselt, teuer, eigentlich zu schmal für die Busse. Keine Ausbaubeiträge, keine Förderung.
Apropos Förderung: Die gibt es, wenn man eine Brücke vor Ablauf ihrer Nutzungsdauer abreißt und neu baut, aber nicht für Erhaltungsmaßnahmen. Nachhaltigkeit ist etwas anderes.
Am Ende fühlte ich mich einigermaßen frustriert, denn lösbar sind nur wenige Probleme. Den chronischen Geldmangel für die Infrastruktur kann man nur auf höheren Ebenen beheben, am besten im Bund. Der feiert seine Schuldenbremse und spart auf Kosten der Kommunen. Straßen sind wichtig, nicht nur für den bei manchen verhassten „motorisierten Individualverkehr“, sondern auch für Busse, Radfahrer und die Lieferfahrzeuge der Jenaer Industrie. Deshalb sollten Straßen Vorrang haben vor Prestigebauten und Schaufensterprojekten. Ansonsten bleibt es bei der Aussage von Werkleiter Feige: „Wir sind die Bad Bank von Jena.“

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