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ÜBERHOLEN OHNE EINZUHOLEN

Jenaer Piraten kritisieren autofahrerfeindliche Pläne für eine neue Verkehrssteuerung am Magdelstieg

Verwöhnt sind Jenas Autofahrer wahrlich nicht. Nach Fußgängerampeln auf der ehemaligen Schnellstraße und Kahlaischen Straße kommt jetzt die nächste Prüfung auf sie zu: Zu den Hauptverkehrszeiten soll das obere Ende des Magdelstiegs für den normalen Autofahrer zur Einbahnstraße werden. Stadteinwärts geht es dann nur noch über die Otto-Schott-Straße. Zweck der Maßnahme: Busse des Jenaer Nahverkehrs sollen staufrei ins Zentrum fahren können. Beabsichtigt ist, den Autoverkehr in der Schottstraße zurückzuhalten, bis sich der übliche Stau in Richtung Post aufgelöst hat.

Dafür wird billigend in Kauf genommen, dass sich der Rückstau in die Schottstraße verlagert und dort vermutlich noch deutlich länger wird als bisher. Damit dem keiner entkommt, werden die Querstraßen im Wohnviertel in Einbahnstraßen vom Magdelstieg in Richtung Schottstraße umgewandelt. Für die Anwohner kann sich dadurch der Weg nach Hause auf das Dreifache verlängern – durch die verstopfte Schottstraße nach unten und dann den Magdelstieg wieder hoch. Lauter wird es dort auch; wahrscheinlich werden sogar Lärmschutzmaßnahmen notwendig. Vor zwei Jahren wurde die Idee verworfen, im Viertel Anwohnerparken einzuführen, weil die Stellplatzsucher ohnehin Anwohner sind und sich nichts bessern würde. Jetzt sollen 31 Parkplätze in der Schottstraße wegfallen. Notwendig wird zudem ein grundhafter Straßenausbau im Bereich Berthold-Koch-Platz. Kosten soll die Maßnahme insgesamt 1,2 Millionen Euro.

Frank Cebulla, sachkundiger Bürger der PIRATEN Jena im Stadtentwicklungsausschuss, hält das Projekt für einen Fehler. „In Jena arbeiten 37.000 Einpendler. Die haben zum eigenen Auto oft keine vernünftige Alternative. Randgemeinden sind unzureichend an den Nahverkehr angebunden, mit den Verbindungen ins Umland sieht es noch düsterer aus. Statt bessere Angebote zu machen, setzt die Stadt einmal mehr auf eine Umerziehung der Autofahrer. Typisch grüne Verkehrsbehinderungspolitik!“

Auch die dünne Faktenlage stößt bei den Piraten auf Kritik. „Die Beschlussvorlage lässt erkennen, dass man wenig weiß und viel vermutet“, meint Stadträtin Heidrun Jänchen. Man habe sich bisher nicht die Mühe gemacht, die tatsächlichen Verkehrsströme zu untersuchen. Statt dessen nehme man an, dass die Bewohner des Viertels ohnehin nicht über die Schottstraße nach Hause fahren. Aus welcher Richtung die Lebensmittelhändler auf dem Magdelstieg angefahren werden – unbekannt. „Eine Viertelmillion soll in eine aktive Verkehrssteuerung zur Stauverlagerung gesteckt werden. Aber keiner kann sagen, wie lang der damit absichtlich in der Schottstrasse produzierte Stau regelmäßig werden wird. Erreicht er die Tatzendpromenade, steht der Bus lediglich weiter oben im Rückstau. Und verlagern sich die Verkehrsströme aus dem Magdelstiegviertel heraus, wird es anderswo klemmen. Es ist jedenfalls naiv, anzunehmen, dass sich die so gegängelten Autofahrer brav in den für sie von der Stadtverwaltung geplanten Stau stellen – oder auf den nicht vorhandenen Park-and-Ride-Parkplätzen in den wenig attraktiven Nahverkehr umsteigen.“

Mehr Lärm, mehr Stau, mehr Fahrtstrecke für Anwohner, weniger Parkplätze – ein hoher Preis für eine Bevorzugung des öffentlichen Nahverkehrs. Von den Piraten wird es zu der geplanten Maßnahme deshalb keine Zustimmung geben.

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