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Kleingartenbeirat 01.09.2015: Gerettete Radieschen

Auf der Tagesordnung steht das Konzept „Wohnen in Jena 2030“ und damit der Jenzigfuß und damit verbundene Befindlichkeiten – Grund genug für mich, im Gremium vorbeizuschauen. Das scheitert beinahe am Jenaer Verkehrschaos. Selbst mit dem Fahrrad stehe ich im Stau. 17:02 Uhr bin ich am Anger 26, zusammen mit drei Bürgern.
Die Tür ist verschlossen. Der Behinderteneingang auch, und auch die Tür am anderen Ende des Gebäudes ist zu. Klingeln nützt nichts. Erst als ich Stöckchen gegen das Fenster werfe, erbarmt sich einer von einer gleichzeitig tagenden Truppe. Jenaer Bürgernähe in Reinkultur. Mir passiert das nicht zum ersten Mal, und ich bin nicht die Einzige. 17:11 Uhr habe ich es bis in den Beratungsraum geschafft. Auch hier ist Elisabeth Wackernagel die Vorsitzende. Es scheint in der Stadt keine anderen Politiker zu geben.
Immerhin ist man gerade beim kritischen Punkt angelangt. Der Jenzig ist aus der Beschlussvorlage verschwunden, dafür stehen jetzt die von Bürgern eingereichten potentiellen Wohnbauflächen drin. Das sind inzwischen 119. Dezernent Denis Peisker erklärt, man wollte die ernsthaft und gründlich prüfen, und außerdem seien manche schwer nachzuvollziehen. Es gibt nicht einmal einen vorläufigen Stand. Ein Ergebnis wird für das 1. Quartal 2016 angekündigt. Das ist aber kein Grund, das Wohnbaukonzept bis dahin aufzuschieben. Das soll im September durch die Instanzen geprügelt werden, damit wir es rechtzeitig vor Ablauf des Konzeptes „Wohnen in Jena 2020“ haben.
Die Kleingärtner mahnen noch einige Änderungen an. Bei verschiedenen bereits geplanten Wohnbauprojekten stimmen die Zahlen nicht. Es wird angezweifelt, dass die Bevölkerungszahl tatsächlich so steigt, wie die Stadt annimmt, aber das mit den Prognosen ist ohnehin ein Problem, wenn sie die Zukunft betreffen. Es wird angemahnt, dass für die Schaffung neuer Wohungen natürlich auch ein Startzeitpunkt festgeschrieben werden müsste. Außerdem soll die Liste mit Potentialflächen, die jetzt noch als Anlage dabei ist, weggelassen werden. Das sagt der Dezernent zu, und damit wird die Vorlage klaglos beschlossen. Ich bin verblüfft und enttäuscht. Das Wohnungsbaukonzept bietet jede Menge Angriffspunkte. Der Stadtentwicklungsausschuss hat sich zum Thema eine Dreiviertelstunde gefetzt. Im Kleingartenbeirat wird nicht einmal unser umfänglicher Änderungsantrag erwähnt. Wenn ich gehofft hatte, die Gärtner würden sich auch irgendwie fürs Große und Ganze verantwortlich fühlen, dann weiß ich es jetzt besser. Die Radieschen sind gerettet, und damit ist die Sache abgehakt.
Danach gibt es noch eine kurze nichtöffentliche Information von KIJ. Darüber darf ich nicht reden, aber immerhin muss ich als Stadträtin nicht vor die Tür.
Auch unter Sonstiges passiert nicht viel, und so ist 17:49 Uhr schon wieder alles vorbei.

2 Kommentare zu “Kleingartenbeirat 01.09.2015: Gerettete Radieschen

  1. Tja, so schaut leider die Realität aus mit der wir als Gärtner zu kämpfen haben. Eine kleine Handvoll die sich ständig engagiert, zu jeder Sitzung dabei ist und dann ist Urlaubszeit und genau diese können die Werbetrommel mal eben nicht rühren und der komplette Rest bekommt den Hintern nicht hoch und verlässt sich darauf, dass schon irgendwer hingeht und sich irgendwer einsetzt. War ja auch bisher immer so. Ich bedaure das sehr, dass es so gelaufen ist und wünsche mir auch stets mehr Unterstützung von anderen. Ich persönlich glaube nicht, dass dieses Thema entgültig vom Tisch ist, daher gibt es sicher bald wieder die Gelegenheit zu schauen, wer sich in wieweit einbringt und wer nur die Zeitungen liest und sich die Entscheidungen von unseren Stadträten widerspruchlos vorgeben lässt …
    LG Romy

    • Da sind die Gärtner auch nicht so viel anders als die anderen. Leider konnte sich der Stadtentwicklungsausschuss nicht einem einzigen unserer Änderungsanträge anschließen, nicht mal den Teilen, die wortwörtlich im vorhergehenden Wohnbaukonzept standen. Ohne einen Aufstand der Mieter und Wohnungssuchenden in der Stadt wird sich nichts ändern. Es ist alles toll, und billige Wohnungen fehlen nicht.
      Also – einerseits nicht entmutigen lassen und andererseits immer mal anderen helfen, die gerade in der Tinte sitzen!
      Heidrun

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