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22.06.2016: ISEK für alle mit Pizza-Party und UFOs

Diesmal gibt es farbige Klebezettel und eine Bildergalerie. Schüler des Schott-Gymnasiums haben Fotos von typischen, unattraktiven und besonders schönen Orten gemacht. Die Gäste dürfen das in ihren Augen beste mit einem „Wichtigmacher“ versehen. Der typischste Ort ist ganz offensichtlich der Turm – mit allen möglichen Vordergründen. Die hässlichen sind notorische Schmuddelecken, etwa die völlig vergammelte Kaufhalle in Lobeda-West. Schön ist vor allem das Galaxy, aber auch die freie Natur – oder die Kartbahn, die eigentlich eher hässlich ist.
Dann wird erst einmal in Länge und Breite der bisherige Prozess durchgekaut. Hab ich jetzt dummerweise schon in der Steuerungsgruppe gehört. Aber die Bürger – bis auf die jüngsten – sind ziemlich diszipliniert. Bei manchen Stichworten, die angeblich aus der 1. ISEK-Runde stammen, habe ich das Gefühl, dass sie nachträglich durch die Verwaltung eingeschmuggelt wurden. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie in der Ad-hoc-Auswertung unmittelbar nach der Debatte vorgekommen wären – etwa die Sichtachsen an der Saale.
Die Schüler haben durchaus wilde Ideen, etwa eine Achterbahn, einen Chameläon-Streichelzoo, ein Pizzafest, ein UFO-Forschungsinstitut und einen Großelternpark. Ich kann mich spontan für die Pizza-Party und das UFO-Institut begeistern. Keine Ahnung, wie man das umsetzen soll.
Anschließend kann man jeweils eine Viertelstunde zu bestimmten Themen diskutieren und Zettel mit Wünschen, Kommentaren, Kritiken an die Stellwände kleben. Am meisten Zettel kleben am Ende an der Verkehrswand, die wenigsten beim Thema Weltoffenheit.
Beim Thema Flächennutzung sagen gleich drei Leute, man möge endlich aufhören, nur die Kernstadt zuzubauen, und stattdessen auch die Ortschaften und das Umland betrachten.
Beim Verkehr gibt es die im ersten Moment verblüffende Behauptung, billigere ÖPNV-Tickets würden keinen dazu bringen, auf Bus und Bahn umzusteigen. Auch die Abschaffung des Servicezuschlags beim Anrufsammeltaxi hat keine Veänderung im Verhalten der Leute bewirkt (aber natürlich sparen sie Geld). Tatsächlich höre ich viel häufiger das Argument: „Ist zu umständlich und dauert zu lange“. Eine Frau sagt, keiner erkläre, wie die Pendler in die Stadt kommen sollten; die wären allen egal. Aber einem war es nicht egal: An der Wand klebt auch ein Pendler-Zettel.
Unter Wirtschaft und Wissenschaft hat einer „Kreisverkehr statt Ampeln“ angebracht. In unserer Runde will ein Mann fahrerlose Taxis und einen 24-Stunden-Supermarkt ohne Verkäufer. Ich finde, das ist eine trostlose Vision. Also werfe ich eins meiner Lieblingsthemen ein: Technikunterricht. Tatsächlich steigt die Runde auf das Thema Bildung ein, und damit kommt auch wieder die Jugendsozialarbeit in die Debatte, denn nicht nur in der Schule wird gelernt. Das freut mich, denn für Wissenschaft und Wirtschaft ist erst einmal eine gute Bildung vonnöten, und nicht nur für die Kinder, die nach der Schule noch zu Theater-AG, Geigenunterricht und Sprachkurs gefahren werden.
Aber es gilt mal wieder: eigentlich viel zu wenig Zeit, sich wirklich mit einem Thema zu befassen und mehr als ein bisschen an der Oberfläche zu kratzen. Anschließend wird man, fürchte ich, die unsortierte Meinung im „Expertengespräch“ sortieren und wichten und der eigenen Meinung anpassen. Trotzdem: Wer es nicht wenigstens versucht, wird garantiert ignoriert. Also – beteiligt euch, Bürger!

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