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Bibliothek als Trojanisches Pferd der Verwaltung

„Wenn der Bürgerservice ein Bürgerhaus im besten Sinne ist, nur weil jeder Bürger alle paar Jahre hingehen muss, dann ist der wichtigste Treffpunkt der Stadt der Friedhof. Da muss auch jeder hin“, sagt Stadträtin Heidrun Jänchen (Piraten) zu den Plänen der Verwaltung, im Bibliotheksneubau am Engelplatz auch den Bürgerservice unterzubringen. In den Planungswerkstätten zum Eichplatz habe es noch geheißen, das Gebäude würde auch Platz für Vereine und Initiativen bieten. Damit habe man den Verzicht der Bürger auf ein städtisches Kulturgebäude auf dem Engelplatz erkauft.

Davon ist keine Rede mehr, seit Finanzdezernent Frank Jauch ein Auge auf den Engelplatz geworfen hat. „Die Verwaltung hat das Angergymnasium besetzt, am Lutherplatz neu gebaut, das Gefahrenabwehrzentrum erheblich erweitert, um die Finanzverwaltung unterzubringen. Jetzt gibt es neue Begehrlichkeiten. Dabei hat Jena heute gerade so viele Einwohner wie Ende der 80er Jahre“, erklärt Jänchen.

Ein „trojanisches Pferd“ nennt ihr Mitstreiter Clemens Beckstein das Bibliotheksprojekt. Das habe man vorgeschoben, weil der Stadtrat bei einem neuen Bauvorhaben der Verwaltung kritischer gewesen wäre. Beckstein kritisiert, dass konsequent an den Wünschen der Bürger vorbei geplant werde. Weder das Konferenzzentrum im Volkshaus oder jetzt der Bürgerservice stünden auf deren Wunschliste, dafür aber Schwimmbad, Stadtteilzentren und ein Jugendzentrum für Mitte/West. Letzteres sei bei der Bibliothek teilweise eingeplant worden, soll nun aber gestrichen werden, um Platz für Führerschein- und Meldewesen zu bekommen. Dabei seien die Bürger im Vergleich zu den Leuchtturmprojekten des Oberbürgermeisters eher bescheiden. „Ob sie tatsächlich eine höhere Aufenthaltsqualität beim Warten auf den Pass wollen, hat keiner gefragt. Wahrscheinlich wollen sie lieber nicht so lange warten. Aber dafür wäre mehr Personal im Bürgerservice nötig. Das schafft man nicht mit einem Neubau“, fasst er das eigentliche Problem zusammen.

Angesichts der neuesten Steuerschätzung und des drohenden 10-Millionen-Loches im Haushalt sollte man die Großprojekte noch einmal überdenken, finden die Piraten. Eine Erweiterung der Bibliothek innerhalb des Volkshauses sei nie ernsthaft untersucht worden, und beim Deutschen Optischen Museum sollte man sich vielleicht ein wenig mehr Zeit lassen – bis wieder mehr Geld in der Kasse ist.

1 Kommentar zu “Bibliothek als Trojanisches Pferd der Verwaltung

  1. Die Ernst Abbe Bibliothek in Ihrer jetzigen Form ist wunderschön und hat eine höchst gemütliche Atmosphäre. Nie muss ich dort auf etwas warten, alles hat ausreichend Platz.

    Jetzt um zig Milillonen einen SEELENLOSEN Neubau hinzupflanzen (auf Pump) nur damit die Baubranche was zu tun hat und die Immobilienpreise weitersteigen: es wäre ein Trauerspiel

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