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SEA spezial 09.03.2016: Eiszeit in der Lützowstraße

Eigentlich hätte man das Problem Lützowstraße innerhalb von fünf Minuten abhandeln können, denn im Wesentlichen gibt es zwei strittige Fragen:
1. Ist der Verkehrsweg, der oberhalb der Kirche in Richtung Feuerlöschteich abzweigt, für eine Abschnittsbildung ausreichend?
2. Muss man sich gegen den Willen von Ortsteilrat und Anwohnern an die Formatio jenensis halten, obwohl sie mit dem angestrebten Erhalt des Charakters der dörflichen Ortskerne eigentlich nicht zusammenpasst?
Gut, es gibt möglicherweise noch eine Frage 3: Ist die Entwässerung des Teils unterhalb der Kirche nun ausreichend oder nicht?
Die Debatte im Straßenraum dauerte dann anderthalbe Stunde, eine wirkliche Bewegung war nicht zu erkennen. Die Anwohner halten es für Unfug, eine offensichtlich funktionierende Straße aufzureißen, nur um eine grundhafte Sanierung der gesamten Lützowstraße zu haben, KSJ will es aber unbedingt so, wegen der Rechtssicherheit. Dass KSJ im vorletzten Jahr freizügig Durchfahrtsgenehmigungen für 25-Tonner für die eigentlich nur für 7,5 t zugelassene Straße ausgestellt hat, ist jedenfalls ein schlechtes Argument für ihren vorgeblich schlechten Zustand.
Die Anwohner mochten auch nicht der Argumentation folgen, wieviel schöner es doch wäre, dann „30 Jahre lang Ruhe zu haben“. Dass der untere Teil mindestens noch 10 Jahre hält, wurde gar nicht in Abrede gestellt. War da nicht letztens noch von 40 Jahren für die neue Straße die Rede? Bei 30 wird die Rechnung noch ungünstiger, denn dann wirft man sozusagen ein Drittel der Lebensdauer weg – für geordnete Verhältnisse und die rechtliche Sicherheit, Beitragsbescheide verschicken zu können. Auch der Anfahrschutz für die Häuser scheint den Hausbesitzern nicht so wichtig zu sein. Wenn keine 25-Tonner durchfahren, ist die Gefahr eher gering, weil die wenigen Bewohner die Hausecken kennen.
Die Frage der überzogenen Forderungen aus der Formatio jenensis wurde gar nicht erst diskutiert. Eine rechtliche Klärung, ob die einmündende Verkehrsanlage für eine Abschnittsbildung hinreichend ist, wurde immerhin zugesagt. Sie erschließt mehrere Garagen und ein Wohnhaus und ist insofern von der Lützowstraße gar nicht so verschieden. Es stand allerdings auch mehrfach und ausdrücklich die Drohung nicht im Raum, sondern auf der Straße, dass auch im oberen Teil nichts getan werden würde, sollte der SEA den grundhaften Ausbau der Gesamtstraße ablehnen.
Immerhin weiß ich jetzt, wie viel Verkehr zur Hauptverkehrszeit von 16:00 bis 17:30 auf der Lützowstraße unterwegs ist: 18 Autos, 8 Fußgänger, zweimal das gleiche Fahrrad mit Anhänger und ein Hund. Das macht ein Auto alle fünf Minuten, und bis auf zwei Handwerkerfahrzeuge, die gemeinsam die Baustelle der Gemeinschaftsunterkunft verließen, kam dieser Abstand auch hin. Begegnungsverkehr gab es nicht ein einziges Mal, und auch die Ansammlung von immerhin 20 Leuten im Straßenraum störte offensichtlich nicht. Da die Straße nicht sehr lang ist und in zwei Waldwegen endet, ist der Transporter von Hermes wohl – wie üblich – über den Wanderweg Richtung Beutenberg davon gefahren. Dieser allenfalls halblegale Schleichweg steht seit zwei Jahren in der Kritik, aber das stört in der Stadtverwaltung keinen. Anders ist das mit sogenanntem Schleichverkehr auf völlig normalen Straßen wie im Damenviertel oder am Friedensberg, wo man regelmäßig über Eindämmung diskutiert.
Ob sich jetzt tatsächlich etwas tut und man das vermutlich noch zehn Jahre funktionale Stück der Straße in Ruhe lässt, wird man sehen. Den Rest der zerfasernden Debatte über die Entwässerung schwänzte ich, weil es auf der schattigen Seite von Lichtenhain inzwischen ziemlich eisig geworden war und ich beim Klappern meiner Zähne die eigenen Gedanken nur noch undeutlich hörte. Hoffen wir mal, dass es in einer Woche Neuigkeiten gibt.

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