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Sozialausschuss 03.05.2016: Jenas unreligiöse Seelsorge

Tagesordnung

Wir sind mal wieder nicht beschlussfähig, weswegen die TO kurzerhand umgestellt wird. Es scheint erstaunlich schwierig, bis 19:00 Uhr am Anger zu sein.

3. Aktueller Stand der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen Stand 15.04.2016

Im April kamen weniger als 16.000 Personen nach Deutschland. In Jena gibt es in Summe 2003 Flüchtlinge. Die Zahl der kommunal untergebrachten ist um 130 gegenüber März gesunken, weil viele inzwischen anerkannt sind. Noch 110 sind in der Notunterkunft untergebracht, aber im Mai wird auch die Turnhalle Göschwitz beräumt.
Probleme gibt es noch immer mit der Finanzierung. Die Stadt hat mehrere Millionen Außenstände für ordnungsgemäß beantragte und genehmigte Maßnahmen, die vom Land noch nicht bezahlt wurden. Es gibt die Hoffnung, dass man das Betreuungspersonal auch für anerkannte Flüchtlinge weiter beschäftigen kann. Aber noch weiß keiner, wie das funktionieren soll.

2. Protokollkontrolle

2.1. Protokoll vom 22. März 2016

mit drei Enthaltungen angenommen

2.2. Protokoll vom 5. April 2016

mit 2 Enthaltungen angenommen

4. Vorstellung der Telefonseelsorge Jena e.V.

Die Telefonseelsorge Jena ist etwas Besonderes, denn sie ist nicht an eine Kirche angebunden. Bei den meisten ist das anders, und da gibt es oft die Forderung, dass die Mitglieder auch kirchlich sind. Aber in Jena ist nicht einmal die Hälfte konfessionell gebunden. Sie ist eine „Tochter der Stadt“. So sieht dann aber auch die Finanzierung aus: rund 26.000 € kommen von Jena, 30.409 € von beiden Kirchen, 15.000 € vom Stifterlauf. Obwohl Jena für ein Drittel Thüringens zuständig ist (neben Erfurt und Gera), gibt es von den Landräten keinerlei Verhandlungsbereitschaft bei der Finanzierung. Es ist ihnen nicht so viel Geld wert. Sind ja alles gute CDU-Christen. Man kann auch nicht sagen, woher ein Anruf kommt, weil die Nummern nicht sichtbar sind. Die Gebietskörperschaften laden die Telefonsselsorge nicht einmal ein, damit sie über ihre Arbeit sprechen könnte – bis auf Jena.
2015 gab es 5657 Anrufe; dabei kamen 3295 Beratungsgespräche (58 %) zustande. 15 % waren Sex- und Spaßanrufer, aber viele legen auch wieder auf. Bei 45 % geht es um psychische Beeinträchtigungen, Sucht, Depressionen …, bei 20 % um Einsamkeit. Übrigens gibt es auch eine islamische Telefonseelsorge (in Berlin), an die bei Bedarf weitervermittelt wird.
Von den „Seelsorgern“ sind 90 % Frauen. Es sind zwischen 35 und 40, im Alter zwischen 23 und 77 Jahren. Vor ihrer Arbeit am Telefon absolvieren sie eine Ausbildung von rund 120 Stunden, die etwa 1.000 € kostet. Dafür verpflichten sie sich, drei Jahre lang je 12 Stunden pro Monat zu arbeiten. Alle 1 bis 2 Monate nehmen sie an einer Supervision teil, damit sie nicht selbst Schaden nehmen. Nebenher gibt es ein wenig Geselligkeit für die Leute, die sich sonst allein den Problemen anderer stellen: Sommerfest, Advents- und Weihnachtsfeier.
Es ist harte Arbeit, bei der man nie erfahren wird, ob der eigene Einsatz wirklich irgendwie geholfen hat. Aber ohne sie wäre die Welt ein schlechterer Ort.

5. Sonstiges

Carolin Weingart (Linke) schlägt vor, dass sich der Ausschuss mit der Landesrichtlinie zur Armutsprävention beschäftigt.
Das neue Krematorium ist heute eingeweiht worden. Bestatter können rund um die Uhr Verstorbene anliefern und Urnen abholen (Wer braucht das?). Zuvor hatte Jena das älteste Krematorium Deutschlands. Was man nicht alles lernt.

20:22 Uhr sind wir dann fertig mit der Sitzung.

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