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29.09.2017: Der Bürgergarten am Eichplatz

Nach einer längeren Pause geht es weiter mit der Bürgerbeteiligung zum Eichplatz. Es geht um die große Freifläche entlang der Johannisstraße, im Rahmenplan „Bürgergarten“ genannt. Inzwischen hat man sich – ohne uns zu fragen – doch für das Büro Bruun & Möller entschieden, das in der letzten Planung durch hochwertiges Pflaster und den Ersatz der vorhandenen Linden durch invasive Robinien aufgefallen war. Nicht meine erste Wahl, muss ich gestehen. Ich bin als Vertreter des Stadtrates in der Runde.
Die Bürger sind erstmals in der Minderzahl: 7 „zufällige“ Bürger(innen), 8 Mitarbeiter der Verwaltung. Ohne die nichtzufälligen Vertreter aus Bürgerinitiativen und Jugendparlament könnte man die Behauptung, man beteilige Bürger, kaum noch halten.
Bruun stellt nicht weniger als zehn „Motive“ für den Bürgergarten vor. Eins davon ist tatsächlich nicht gepflastert, sondern eine Rasenfläche mit fröhlich nach oben abstrahlenden Leuchtwürfeln drauf – der „Lichtplatz“. Alle anderen, selbst der „gärtnerische Platz“ mit ein paar streng eingemauerten Blumenbeeten, sind im Wesentlichen gepflastert. Das erzeugt zumindest bei uns am Tisch einen Aufschrei: „Garten ist was Grünes, wo was wächst, was seine Wurzeln in der Erde hat“, verkündet die Bürgerin. Ich setze sofort nach: Erhalt der Bäume an der Johannisstraße, unversiegelte Fläche, Holzbänke, Wasser, Spielmöglichkeiten. Der Landschaftsarchitekt bekommt große Augen. Es ist sichtlich nicht das, was er erwartet hat, aber selbst die Verwaltungsmitarbeiterinnen machen sich für die Bäume stark. Die würden nur gern das Gesträuch loswerden, weil sie hoffen, damit auch die Ratten zu vertreiben. Die Einheitsfront für mehr Grün steht. Beim Wasser fallen den Verwalterinnen vor allem Kosten ein.
Bruun fragt noch einmal: „Ist das wirklich Jena?“ Ich erkläre ihm, dass das Charakteristische an Jena ist, dass nichts zusammen passt. Erst in den letzten Jahren hat die formatio jenensis des Stadtarchitekten dafür gesorgt, dass alles einheitlicher, langweiliger und gepflasterter wurde. Die kehrmaschinenfreundliche Stadt halt. Nicht nur ich halte den Johannisplatz für ein schlechtes Vorzeigemodell. „Tot“ lautet das Bürgerurteil dazu.
Die anderen beiden Tische waren weniger renitent, aber die Baumerhaltung und Wasser stehen auch da weit vorn. Einer würde gern den Bürgergarten in den ersten Stock verlegen (also auf das Niveau der Johannisstraße) und das geforderte Kunsthaus darunter unterbringen. Viel Erde für Wurzeln wäre da nicht. Es wird verschiedene Varianten brauchen – und beim nächsten Mal wieder mehr Bürger. Aber eins haben wir geschafft: Nicht das Weltbild, aber mindestens das Jenabild des Landschaftsarchitekten hat Risse bekommen, durch die Löwenzahn wuchern kann.

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