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SEA 21.11.2017: Begrüßungsgesten für Leser

Der SEA hat eine gemeinsame Sondersitzung mit dem Werkausschuss KIJ und dem Kulturausschuss – die Verkündigung des Wettbewerbssiegers für den Bibliotheks/Bürgerserviceneubau am Engelplatz.
Wir irren zu dritt durchs Volkshaus und sind eigentlich heilfroh, mit nur zwei Minuten Verspätung die richtige Stelle gefunden zu haben. Ich stecke als erste meine Nase um die Ecke und bekomme prompt einen Rüffel von der Oberlehrerin, also Elisabeth Wackernagel: Wir hätten zu wenig Zeit. Dann verbreitet sie sich weitschweifig über das Auswahlverfahren und erklärt uns mehrfach, es sei „sehr intensiv“ gewesen. KMJ-Werkleiter Jonas Zipf komplettiert das durch seine Sicht auf die „tolle Zusammenarbeit“. Man betont so nachdrücklich, dass man natürlich überhaupt keine Ahnung hatte, welche beiden Jenaer Büros hinter dem Siegerentwurf stecken, dass mich Zweifel befallen.
Schon eine Viertelstunde später darf Stadtarchitekt Matthias Lerm erklären, worum es nun wirklich geht. Der steht allerdings vor den Entwurfszeichnungen, sodass ich aus meiner Ecke einfach nur nichts sehe. Es ist nämlich keine Sitzung, sondern eine Stehung, und drei Ausschüsse drängen sich in einem Korridor. Aber ich weiß jetzt, dass es um eine „Begrüßungsgeste“ und „anmutende Materialitäten“ geht – nicht etwa Materialien. Das heißt: Da ragt mal wieder ein ziemlich massiver Klotz in den öffentlichen Raum, und dass man Kalkstein in den Beton mischt, stellt angeblich einen Bezug zur Umgebung her.
Wie das Ding wirklich aussehen soll und warum, erfahre ich mehr oder minder detailliert in separaten Runden mit der Leiterin der Bibliothek, Herrn Schroth vom Bürgerservice, Ira Lindner (Sachkundige der Linken im Ausschuss) und Herrn Müller von KMJ, der mich diesmal nicht wegen angeblichen Desinteresses angeht, sondern sich um Dialog bemüht. In den ausgeschiedenen Entwürfen finden wir viele nette Ideen, die leider für die Welt verloren sind. Es gibt Entwürfe, die mit dem Klosterrest viel respektvoller umgehen (aber auch das genaue Gegenteil) oder mit überdachten Innenhöfen öffentliche Räume schaffen. Die sind vermutlich für die Welt verloren. Es ist schade, dass derzeit längsgestreifte Fassaden alternativlos sind. Individuell ist was anderes. Eine einzige sieht irgendwie speziell aus und wurde von den Architekten prompt verworfen.
Warum der Veranstaltungraum unbedingt von Bibliothek und Bürgerservice aus gleichermaßen von innen zugänglich sein musste, erschließt sich mir nicht. Der Bürgerservice braucht den „für Wahlen“, wie ich erfahre. Und dafür kann man nicht einmal im Jahr über den Hof laufen? Vor dem Beschluss war uns der gemeinsame Empfangsbereich als die Synergie verkauft worden, die tolle Einsparungen ermöglicht. Den gibt es natürlich nicht mehr.
Der riesige Bau wird übrigens ganze 20 Stellplätze in der Tiefgarage bieten, von denen die Hälfte womöglich fest vergeben wird. Na, wenn’s das nicht ist …
So richtig überzeugt bin ich nicht. Aber zumindest scheint die Lösung funktional zu sein. Nur dass Herr Schroth keine Zweierbüros mehr möchte, sondern „modernere Lösungen“ lässt mich schon jetzt seine Mitarbeiter bedauern. Vermutlich wird’s eine Hühnerfarm.

5 Kommentare zu “SEA 21.11.2017: Begrüßungsgesten für Leser

  1. Jenenserin

    prima neuer Bürgerservice und Bibliothek mit 20 Stellplätzen. Ein bissel sehr viel oder?

    • Wenn man einige fest vergibt, dann sind es nicht mehr so arg viele … Allerdings soll der Parkplatz vor dem Theater zumindest teilweise erhalten bleiben.

  2. Holger Herrmann

    Es wird in der digitalen Lichtstadt Jena eine Geheimniskrämerei um den Bibliotheksbau gemacht. On leine geht gar nicht seitens der Stadt. http://www.stock-landschaftsarchitekten.de/cms/1/52/content/1160/1

  3. Den eignen Kühlschrank gut füllen … Triffts wohl am ehesten auf den Punkt.

    Ich danke den Piraten dass sie stets bemüht sind dem Bürger Licht ins Dunkel Jena zu offerieren.

    Ohne sie käme vieles nicht zur Bevölkerung!

    • Vielen Dank! Das war eins unserer Wahlversprechen: mehr Transparenz für die Stadt. Manchmal ist es ein ziemlicher Eiertanz zwischen streng verboten und nicht erlaubt, aber eigentlich nicht geheimhaltungsbedürftig, und gelegentlich gibt’s einen Rüffel dafür. Aber das ist eigentlich ganz lustig.
      Übrigens kann man den Entwurf für den Neubau (und die ausgeschiedenen Entwürfe) während der Öffnungszeiten der EAB im dritten Stock besichtigen. Die Mitarbeiter sind recht hilfsbereit und weisen einem im Zweifel den Weg.

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