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Eichplatz 06.04.2018: Wasser und Dreck

Zum dritten Male trifft sich das „Werkstattgremium“, eine Mischung aus Verwaltung, Stadtrat, Bürgerinitiativen und diesmal nur wenigen zufällig ausgelosten Bürgern, um über den „Bürgergarten“ zu diskutieren. Das ist der Platz, der künftig zwischen der Bebauung und der Johannisstraße liegen wird, ungefähr da, wo heute die Grünanlage ist.
Obwohl es schon nach der zweiten Runde eine klare Vorliebe für das Projekt „urbaner Dschungel“ gab, hat man auch das durchgepflasterte Projekt „Baumhain“ noch einmal bearbeitet. Der Dschungel ist jetzt von „Schollen“ besiedelt. Drei sind eindeutige Hochbeete, zwei andere könnten „auch irgendetwas anderes“ werden – ein Hügel mit diesem seltsam gummiartigen Fallschutz zum Beispiel oder eine andersartig gepflasterte Fläche vielleicht. Sooft man sich umdreht, scheinen sich Grünflächen in versiegelte Flächen zu verwandeln.
Wir beherrschen den Gegenzauber. Wir wollen noch immer den Dschungel, der jetzt „Variante B“ heißt. Die hat jetzt auch eine Wasserfläche und Fontänen. Das gefällt uns. Wir beantragen einen Buddelkasten, denn „Kinder brauchen Wasser und Dreck“. Zwischen Rathausgasse und Weigelstraße will die Runde den Weg für Radfahrer freihalten. Auf der anderen Seite des Stadtgartens hingegen verwandeln wir die Irgendwas-Scholle flugs wieder in ein Hochbeet, damit die Radfahrer nicht motiviert werden, in die Ruhezone zu düsen. Übrigens gibt es auch den Bug der Titanic wieder, aber diesmal ist er ein etwas kleineres Hochbeet und hat als Galionsfigur einen Baum. Das früher bebaute Areal hat sich in einen Grünraum verwandelt.
Eine heftige Debatte gibt es um den Bodenbelag. Die formatio jenensis und ihr stupides helles, pflegeintensives Pflaster (Schlagwort „chinesischer Granit“) finden keine Fürsprecher. Praktisch jeder hätte gern etwas anderes, eine Abwechslung vom genormten Einerlei der Stadt.
Nach Runde 1 ziehen Eckhard Birckner, Heidrun Schrade und ich mit einem Ausdruck des Projektes über den Eichplatz und verorten die Kanten und Elemente. Das sollte unbedingt noch einmal als öffentliche Veranstaltung stattfinden, denn mit den Plänen allein entwickelt man gern falsche Vorstellungen.
Runde 2 ist die öffentliche Veranstaltung im Volksbad. Das Interesse ist etwas gedämpft verglichen mit früheren Runden, aber die unorganisierten Bürger bestätigen aufs Schönste die Meinung der Werkstatt. Variante B ist der Renner. Man will keine Sitzsteine aus Beton. sondern Holz und Lehnen. Auch eine Variante mit einem klobigen Sitzmöbel aus rotem Plastik findet keine Liebhaber. Die Einfassung der Beete möge bitte aus Naturstein gebaut werden und nicht aus Beton. Der Johannisplatz scheint die Leute noch einmal massiv verschreckt zu haben. Sie leiden an Beton-Allergie.
Die überraschendste Wendung gibt es beim Bodenbelag. Während wir am Nachmittag noch über andersfarbiges Pflaster diskutiert hatten, will die Bevölkerung eine wassergebundene Wegdecke. Das entspricht den Wegen im Paradies, die wie Dreck aussehen, aber offensichtlich auch ganz gut befahrbar sind. Diese Wegdecke krümelt auch nicht, was für das Wasserfeld fatal wäre.
Der Stadtdschungel ist, wie die Pilze, die durch Asphalt wachsen, einfach nicht totzukriegen. Die Bürger wollen Dreck und Wasser.

2 Kommentare zu “Eichplatz 06.04.2018: Wasser und Dreck

  1. Holger Herrmann

    Wenn die viele Bürger nichts von der Veranstaltung wissen, können sie auch nicht daran teilnehmen. Traurig aber wahr!

  2. Holger Herrmann

    Das Verorten vorallem der Höhen hätte man lieber beim Rahmenplan Eichplatz praktizieren sollen! Da hätte ich voll zustimmen können : “ Das sollte unbedingt noch einmal als öffentliche Veranstaltung stattfinden, denn mit den Plänen allein entwickelt man gern falsche Vorstellungen.“

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