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Eichplatz 10.10.2018: Nichtöffentlich mit Bürgern

Es wird ernst. Die Stadt hat fünf Entwürfe für Baufeld A bekommen. In einer ersten Runde dürfen die Beteiligungs-Bürger ran, also die Mischung aus Bürgerinitiativlern, zufällig ausgelosten Bürgern und Stadtrat. Von den Bürgern ist leider nur noch ein Häuflein Unentwegter übrig; die BI ist vollzählig. Leider schlägt an dieser Stelle das deutsche Planungsrecht zu. Kein Bieter darf irgendwas über irgendwas erfahren, weil das ein Vorteil im Wettbewerb sein könnte, der zu Klagen führen könnte. Eigentlich ist dieser Blog ja öffentlich, und jeder Bieter könnte mit Gewinn alles lesen, aber nein, das wäre zu einfach. Als Stadtrat hat man mich ohnehin zum Schweigen verdonnert. Die Bürger müssen separate Erklärungen unterschreiben, Stillschweigen zu bewahren.
Am Eingang bekommen wir gegen Unterschrift eine nummerierte Kladde mit den Entwürfen ausgehändigt, die wir am Ende wieder abliefern müssen. Immerhin werde ich meine samt den hinein gekritzelten Anmerkungen zur nächsten Sitzung wiederbekommen.
Dann kommt eine Belehrung: noch einmal zur Geheimhaltung, zu den Wertungskriterien und darüber, dass es heute nur um Architektur geht und nicht um Stellplätze, Handelsfläche oder ähnliche auch nicht unwichtige Dinge. Die Auswertung ist akribisch, aber wegen der Zusammenfassung auch nicht komplett. Es gibt eine „neutrale“ Vorstellung aller Entwürfe, die die wichtigsten Eigenschaften standardisiert zusammenfasst. Sie ist wirklich ziemlich neutral. Der Mitarbeiter ist seit zehn Tagen im Job und von den Querelen der Vorzeit unbelastet.
Zwei belegte Brötchen und einen Kaffee später dürfen wir die Darstellungen der Einreicher nebst Modell sehen. Manche Dinge werden dabei klarer, aber durchaus nicht alle. 10 Minuten pro Entwurf sind zu wenig, um alles zu lesen, aber summieren sich zu einer Stunde (inklusive Reibungsverluste). Die Vorstellungen der Architekten sind natürlich eine Werbeverkaufsschau und enthalten mehr oder weniger Mogeleien, um alles ein bisschen schöner aussehen zu lassen. Wir dürfen/sollen Kommentare abgeben. Die sind teilweise recht einhellig, aber eine Minderheitenposition ist immer und überall dabei. Und natürlich reden auch alle über die Nutzungskonzepte.
Das Ergebnis wird noch einmal in der Gruppe vorgestellt und diskutiert. Die vier, die die Bürgerwerkstatt am Freitag vertreten werden (1x BI, 1x ausgeloster Bürger, 2x Stadtrat) bekommen die gesammelten Meinungen als Auftrag mit, um sie gegen die Experten zu vertreten – was eine gewisse Schizophrenie nötig macht.
Die letzten Erkenntnisse entstehen bei mir bei einer vergleichenden Betrachtung der Modelle nach Abschluss der eigentlichen Veranstaltung, während ringsum die Verwaltungsmitarbeiter die Präsentation abbauen. Im direkten Vergleich werden Unterschiede deutlich, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Ich bin froh, diese erste Runde gehabt zu haben – dann bleibt am Freitag mehr Zeit für Details und zum Nachdenken.
Bis Februar werden die Bieter Gelegenheit bekommen, ihre Entwürfe zu überarbeiten. Wir werden vorgewarnt, dass in dieser Zeit alles passieren kann und die Entwürfe in der 2. Runde vielleicht ganz anders aussehen werden. Dann hoffen wir mal, dass sie die Bürgermeinung ernst nehmen.
Nach viereinhalb Stunden habe ich diese Sitzung hinter mich gebracht, und ich platze vor Mitteilungsbedürfnis.

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