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Eichplatz 19.01.2018: Großstadtdschungel

Die Eichplatz-Beteiligungs-Guppe trifft sich zum zweiten Mal zum Thema öffentlicher Raum. Das ist öffentlich. Auf dem Weg zur Beratung – auch ich habe meine Anfälle von Denglisch – stellt sich in meinem Gehirn das Schlagwort „urban jungle“ ein. Es will da nicht wieder weg. Ich habe eine Erwartungshaltung, die so groß ist, dass sie in einem einzigen Menschen eigentlich keinen Platz hat.
Herr Bruun, der Freiraumplaner, musste sich das letzte Mal einiges anhören darüber, was sich die engagierten Bürger unter „Garten“ vorstellen. Die Botschaft scheint angekommen. Er hat 13 neue Entwürfe mitgebracht, über die zu diskutieren ist. Sie sind grüner geworden. Grinsen muss ich bei #1, die aussieht wie heute. „Das, was Sie kennen, nur in gepflegter Form“, sagt Bruun. Ein wahres Wort. Ich notiere auch: „Platane als Leitbaum. … Das ist ein sehr robuster Baum.“ Klang letztens auch noch anders.
So ganz hat er seine ursprünglichen Ideen nicht aufgegeben. Der Lichtplatz ist wieder da, tagsüber stupide gepflastert und nachts kariert beleuchtet. Ein Sportplatz mit einem Ballspielfeld (das ein 4 m hohes Netz als Abgrenzung brauchte und für die Mittagspausler wie für die Rentner auf Einkaufstour völlig unattraktiv sein dürfte), der „Platz im Wandel“ – ein Pflasterfeld mit rollbaren, eher klobigen Stadtmöbeln. Beide werden von der Runde sehr einhellig abgelehnt. Der Staudengarten als Explosion von buntem Leben sieht hübsch aus – reduziert die Zahl der Bäume aber auf zwei. Das eine oder andere sieht nett aus, aber nichts reißt mich vom Stuhl.
Bis zu Variante 12. Die heißt „Urbaner Dschungel“: Bäume, und zwar mehr Bäume als heute, darunter Staudenbeete, geschwungene Wege, geschwungene Sitzkanten, Grün, das aufmüpfig in den Kirchplatz hineinwuchert. Das ist es. Am liebsten würde ich aufspringen und „Will haben!“ rufen. Aber wir sind ja erwachsen.
Auch die Kunsthausinitiative hat einen Entwurf gemacht, der darauf hinausläuft, unter dem Stadtgarten ein Untergeschoss auf Höhe der Johannisstraße einzuordnen und die südliche Kante der Straße wieder zu schließen. Selbst die Kunsthaus-Sympathisanten sind bis auf zwei nicht bereit, dafür den Freiraum zu opfern, den sie so ausdauernd verteidigt haben.
Wir dürfen Punkte vergeben. Der Dschungel liegt vorn, knapp vor einer Variante mit Fontänenfeld – wobei einige zwar die Fontänen, aber nicht die streng geometrische Rasenfläche daneben wollen. Nummer 3 ist der Baumhain, dessen Fußboden allerdings eine versiegelte Fläche ist. Dessen Vorteil wäre, dass man alles Mögliche unter die Bäume stellen könnte, zum Beispiel Tische und Stühle einer Außenbewirtschaftung. Das gibt Widerspruch von den Verfechtern von Freiraum ohne Konsumzwang.
Danach dürfen die Entwürfe diskutiert werden. Die Gruppe an meinem Tisch bezweifelt, dass man so schnell eine qualifizierte Entscheidung treffen könnte – und einigt sich innerhalb einer Stunde auf den Stadtdschungel mit Erweiterung um Springbrunnen, Fontänenfeld und Buddelkasten. Plus Lichtkonzept, das aber bitte nicht dominieren möge, sondern eine gemütliche Atmosphäre verbreiten. Erstaunlich kommen wir zu Meinungen zur Wirkung am Tage und in der Nacht, sommers und winters, auf Kompromisse zu Spiel und Ruhe, für Alte und Junge.
Die anderen beiden Gruppen kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Die Bäume in der Johannisstraße sind unverhandelbar. Versiegelung ist ebenso unbeliebt wie rechte Winkel und gerade Linien. Alle wollen Wasser und halten ein Fontänenfeld für eine lustige Idee, aber bitte nicht rechtwinklig. Die Verbindung zum Kirchplatz ist den meisten noch zu unterbelichtet (Wir haben da Brunnen und Fontänen untergebracht, aber auch noch zusätzliches Grünzeug).
Es ist genau das, was ich die ganze Zeit gesagt habe: In der Bevölkerung gibt es eine große Einigkeit. Man muss sie nur fragen. Die Leute haben genug vom Pflaster und wollen einen Dschungel. Das Büro Bruun & Möller hat jetzt bis etwa Ostern Zeit, dazu einen oder drei überzeugende Entwürfe zu machen. Über die anderen entstehenden Plätze wird noch zu diskutieren sein.

2 Kommentare zu “Eichplatz 19.01.2018: Großstadtdschungel

  1. Bernd Lindemann

    Herzlichen Dank für die Informationen. Das erinnert mich sehr an die Auswertung der Eichplatz-Fragebogenaktion von Ende 2014. Habe mir soeben nochmal die Auswertung angesehen. Es ist verwunderlich, dass die Jenaer Bürger sich nicht von ihrer Meinung nach „Grün“ abbringen lassen.
    Heidrun, bitte so weiter machen. Vielleicht bringt das Frühjahr einigen Menschen in unserer Stadt noch eine Erleuchtung.
    Ich finde das mit dem „urban jungle“ hervorragend.

    • Och, die Bürger sagen seit ungefähr sechs Jahren immer wieder das Gleiche. Man muss sie ab und an ein bisschen ermutigen, damit sie sich nicht einreden lassen, irgendwas sei alternativlos, aber im Grunde wissen sie genau, was sie wollen. Viel hochwertiges Pflaster gehört jedenfalls nicht dazu. Der Landschaftsarchitekt hat es ja auch verstanden. Noch ist Hoffnung.

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