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Sozialausschuss 06.03.2018: Die Sorgen der Seelsorger

Diesen Beitrag hatte ich im Gewirr des Wahlkampfes verschusselt.

Sportvergabeausschuss

Der Sozialausschuss beginnt für mich zwei Stunden früher mit dem Sportvergabeausschuss. Der besteht aus Stadträten und Vertretern des Stadtsportbundes und verteilt das städtische Fördergeld auf ungefähr hundert städtische Sportvereine, und weil das Geld nie reicht, wird um Kürzungen und Bedarfe gefeilscht.
Ich komme zehn Minuten zu spät, weil es geschneit hat. Mit dem Auto wäre es noch später geworden, denn in der Stadt geht nichts mehr. Bisher kam man wenigstens auf den Hauptverkehrsstraßen einigermaßen durch, aber diesmal musste ich auf dem Magdelstieg vom Rad steigen, um nicht Leib und Leben zu riskieren. Immerhin bin ich da, als zweite Stadträtin nach Martina Flämmich-Winckler (Linke). Beschlussfähig sind wir nicht.
Irgendwie gelingt es uns, den Wust der Anträge, vom Stadtsportbund liebevoll vorsortiert, durchzuarbeiten. Sie berichten von den Erfahrungen der letzten Jahre, die nicht immer zu den Anträgen passen.
Es werden kuriose Dinge beantragt, unter anderem „Flächenenden“. Wir beschließen die Förderung. Es sind Flügelspitzen für ein Segelflugzeug, mit dem Nachwuchsausbildung gemacht wird.
Am Ende kommt noch einmal das Problem der Tanzvereine auf, die zwischenzeitlich mal unter „Kultur“ eingeordnet waren. Als man sie der Kultur zuschlug, nahmen sie ihr Budget mit zur Kulturförderung. Jetzt sind sie wieder beim Sport, aber das Budget ist immer noch im Kulturtopf. Wir sind uns einig, dass wir es wiederhaben wollen. Ich bitte die Damen vom SSB darum, das mal in Zahlen aufzulisten, damit wir bei der nächsten Haushaltsdebatte was in der Hand haben.
Kurz vor Schluss taucht noch Rayk Seela (CDU) auf und rettet die Beschlussfähigkeit. Damit sind die Sportvereine erst einmal arbeitsfähig.

Sozialaussschuss

1. Tagesordnung

einstimmig

2. Protokoll

Die zwei Änderungsanträge von mir werden ordentlich verlesen. Unsere neue Protokollantin hatte meine Frage und die Antwort von Frau Wolf zusammengemixt. Ist ja auch nicht ganz einfach.
mit 2 Enthaltungen angenommen

3. Vorstellung der Telefonseelsorge Ostthüringen

Frau Voß, ehemals Vorsitzende des Ausschusses, ist jetzt Chefin der Telefonseelsorge. Sie hat noch eine zweite Dame dabei, die sehr engagiert rüberkommt.
Die Telefonseelsorge hatte sich vor zwei Jahren aufgelöst und letztes Jahr neu gegründet. Man hat zwei Standorte, Jena und Gera. Im September sei man wieder ans Telefonnetz gegangen. Durch die Querelen ist offenbar die Basis geschrumpft. Man müsste erst einmal bekannt machen, dass man wieder existiere. Derzeit sitzt der Verein in Lobeda. Die ehrenamtlichen Telefonberater arbeiten alle vom Büro aus. Das verlange die Qualitätsrichtlinie, die auch die Raumausstattung definiert. Man dekoriere das auch immer nett, damit sich die Helfer wohlfühlen. Außerdem sollen sich die Kollegen vorort begegnen, um sich über Probleme austauschen zu können. Aber Lobeda ist ein Problem. Zum einen liegt es ziemlich ab vom Schuss, denn die Ehrenamtler sind über das ganze Stadtgebiet verteilt – mit dem Schwerpunkt in Nord. Wenn man zweimal eine Dreiviertelstunde mit Bus und Bahn fahren muss, um zwei Stunden Telefondienst zu machen, ist das viel Aufwand. Außerdem fühlen sich manche Leute, die Frau von der Telefonseelsorge spricht von „alten Damen“, abends in Lobeda nicht sicher.
Dem widerspricht Martina Flämmich-Winckler vehement und fragt, ob schon jemals jemand angegriffen worden sei. Nein, konkrete Fälle gäbe es nicht. Aber ich finde, man kann der Frau nicht vorwerfen, dass sie über die Gefühle ihrer Mitstreiter berichtet. Sie hat ja nicht gesagt, dass Lobeda unsicher ist.
Die Themen sind wie immer: Einsamkeit, psychische Erkrankungen, körperliche Krankheiten, Arbeitslosigkeit … Was die Telefonseelsorge tut, ist zweifellos sehr nütze. Andererseits ist die Telefonseelsorge sehr froh über die Unterstützung der Stadt. Das sei nicht selbstverständlich.
Wer Zeit übrig hat und sich sozial engagieren möchte: Die Telefonsselsorge sucht händeringend neue Mitstreiter.

3. Information zur Situation von jugendlichen Geflüchteten in der Innenstadt

An dieser Stelle verlasse ich den Ausschuss, um zum ersten Wahlkampftermin zu eilen. Aber ich habe ja noch meinen Sachkundigen Bürger David Schmidt, der aufschreibt, was ich nicht mehr mitbekomme.
Es geht um die kriminelle Jugendbande, die so viel mediale Aufmerksamkeit bekommen hat, dass manche Leute vermuten, Jena sei kreuzgefährlich. Tatsächlich sind es etwa 15 Jugendliche (fast ausschließlich männlich, obwohl zuweilen auch Mädchen mit ihnen herumziehen), die durch Ladendiebstähle, Drogenbesitz und Schlägereien untereinander aufgefallen sind. Tatsächlich ist noch kein Unbeteiligter angegriffen worden, und die Täter von gestern sind die Opfer von heute. Die letzten Aktionen bieten offenbar genug Grundlage für strafrechtliche Verfolgung. Denn an Recht und Gesetz muss sich auch die Polizei halten. Man hat die Präsenz von Polizei und Sozialarbeitern in der Innenstadt verstärkt. Das eine für das Sicherheitsgefühl, das andere, um noch nicht kriminelle Jugendliche davon abzuhalten, es zu werden.
Ein Grund für Panikmache und den Ruf nach Strafverschärfung und Standrecht besteht jedenfalls nicht.

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