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Sozialausschuss 16.10.2018: Freiwillig

Ich komme 19:10 Uhr und damit deutlich zu spät, weil ausgerechnet an diesem Tag der Ausschuss eine Stunde früher begonnen hat – während ich noch mit dem Finanzausschuss befasst war. Man freut sich trotzdem, weil ich gerade die Nr. 5 der Stimmberechtigten bin. SPD und BfJ fehlen komplett, CDU und Linke sind zu 50 % anwesend. Beschlussfähig ist die Runde trotzdem nicht.

1. Tagesordnung

verpasst

2. Protokollkontrolle

verpasst

3. Einwohnerantrag des „Mietertreff Lobeda“

Den hat man, erfahre ich später, zwar diskutiert, aber mangels Masse nichts beschlossen.

4. Vorstellung der Selbsthilfegruppen in Jena

Prof. Ulrich Lakemann berichtet über das 4. deutsche Freiwilligensurvey . Da hat man quer durch Deutschland Leute befragt – unter anderem mich, wie ich mich erinnere. Der Anteil Engagierter sei um etwa 10 Prozentpunkte gestiegen, von 34 auf 43,6 %. Zuwachs gab es bei jüngeren und älteren Menschen. 41,5 % der Frauen und 45,7 % der Männer engagieren sich irgendwo.
Die Betätgiungsfelder: Sport 16,3 %, Schule/Kita 9,1 %, Kultur/Musik 9 %. Sozial 8,5 %, Gesundheit 2,5 %, Politik irgendwo zwischen 3 und 4 %.
Der Anteil Engagierter, die über 6 h/Wo. aufwenden, ist von 1999 bis 2014 gesunken (immer noch bei 18 %), der mit bis zu 2 h/Wo. auf 58.1 % gestiegen. Die Leute haben offenbar weniger Zeit. Es betätigen sich überdurchschnittlich Leute mit hohem Bildungsniveau (52.3 % der Hochgebildeten gegen 28.3 % mit niedriger Bildung), 54 % der Jugendlichen, und Gesunde eher als Kranke. Letzteres ist jetzt nicht so überraschend.
Regional sei die Begeisterung für das Ehrenamt unterschiedlich. In Rheinland-Pfalz und Baden-Würtemberg sind 48,3 bzw. 48,2 % aktiv, in Thüringen 39,3 % und in Sachsen-Anhalt nur 37,1 %. Vielleicht hat das etwas mit längeren Arbeitszeiten zu tun oder damit, dass überdurchschnittlich die jungen, gutausgebildeten und engagierten Leute abwandern.
Die Motive: Spaß, mit anderen Menschen zusammenkommen, die Gesellschaft mitgestalten, mit anderen Generationen zusammenkommen. „Die egoistischen Motive sind sogar notwendig“, meint der Professor, weil man sich sonst aufopfere, ncihts zurückkomme und man irgendwann die Sinnfragestelle. Die Hälfte der Nichtengagierten wäre künftig bereit zu mehr Betätigung, aber da ist eine Neigung in Richtung erwünschter Antwort drin. Man gibt halt ungern zu, faul zu sein.
Es gibt eine Entwicklung zur Professionalisierung. Die Anzahl professioneller Sozialarbeiter hat zugenommen, sie werden aber immer noch stark nachgefragt, und es gibt eine Konkurrenz um knappe Ressourcen.

Zwei Frauen von IKOS referieren über Selbsthilfegruppen. Viele Gruppen sagen, ihnen fehlten junge Leute. Die Altersgruppe bis 19 Jahre ist mit 2 % vertreten, 20 bis 35 Jahre mit 7 %, 36 bis 45 Jahre mit 10 %, 46 bis 65 Jahre mit 37 %,, und die Älteren ab 66 Jahre machen 44 % der Beteiligten aus. Das liegt vielleicht, denke ich, daran, dass sich viele Krankheiten im Laufe des Lebens entwickeln.
Man fragt sich, ob Jena eine junge Selbsthilfegruppe brauche. Jungen Leuten sei das zu altbacken. Sie haben ein Angebot über eine Website gemacht. Damit hofft man, neue Bevölkerungsgruppen zu erreichen.
Es gibt übrigens auch eine Selbshilfegruppe für Linkshänder. Alle 3 bis 4 Jahre gibt es einen gedruckten Wegweiser über alles. IKOS bietet Räume, in denen sich Selbsthilfegruppen auch anonym treffen können. Die Liste der Gruppen ist unglaublich lang. Gibt es übrigens auch im Web. Auf den Wegweiser muss man nicht warten.

Nummer drei ist der Leiter einer offenen Gruppe zu Depressionen. Da seien auch Studenten zunehmend vertreten, weil sie wegen des gestiegenen Leistungsdrucks Ängste entwickeln. Es ist eine ungeleitete Gruppe, nur aus Laien, und das Angebot ist kostenlos. In ernsten Fällen schickt man die Betroffenen aber doch zum Arzt, ehe es gefährlich wird. Bei Neuzugängen unter 18 Jahren fragt man immer bei den Eltern nach. Es bringt aber nur was, wenn der Betroffene wirklich wolle. Es nütze nichts, wenn Eltern ihre KInder abliefern.
Er würde sich mehr Beratungsstellen wünschen, besonders zu Essstörungen und auch für Angehörige. Professionelle Beratung dazu gibt es in Jena nicht.

5. Bericht und Auswertung des Projektes „Salz und Suppe“

Vielleicht hat man das schon vorher abgearbeitet, als ich noch im Finanzausschuss saß.

6. Sonstiges

Ich weise noch schnell darauf hin, dass es zum Einwohnerantrag zur Wohnungspolitik den Last-Minute-Änderungsantrag von CDU und SPD gibt. Da der Antrag schon tags darauf auf der Tagesordnung des Stadtrates steht, soll jeder bescheid wissen.

20:30 Uhr ist die Sitzung zu Ende

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