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Stadtverwaltung sitzt Probleme um Inselplatz-Planung aus

Professor Clemens Beckstein ist nicht nur Stadtrat, sondern arbeitet als Prodekan der Fakultät für Mathematik und Informatik auch im Planungsstab für den Campus-Neubau am Inselplatz mit. Er vermittelt für seine Fakultät zwischen den Vorstellungen der Architekten und den Wünschen der künftigen Nutzer. Sorgen bereitet ihm neben den bürokratischen Hürden vor allem die Infrastruktur.

„Die offenen Fragen rund um Verkehrsplanung, Parkplatzkapazitäten und Zufahrten zum neuen Quartier sind so drängend, dass das Schweigen der Stadtverwaltung dazu bereits ohrenbetäubend ist“, meint Beckstein.

Die Straße Am Bahndamm soll künftig als Osttangente Entlastung für die Innenstadt schaffen und den Verkehr von Nord nach Süd bündeln. Doch genau dort wird die einzige Ein- und Ausfahrt zum Parkhaus am Inselplatz geplant – zugänglich nur aus Richtung Norden, verlassbar nur in Richtung Süden und das ganze natürlich ohne jede Rückstaumöglichkeit in die neue Hauptverkehrstrasse Osttangente. Wer aus Richtung Süden kommt, müsste über den Löbdergraben einmal ums ganze Quartier fahren, um ins Parkhaus zu gelangen. Der Löbdergraben aber soll eigentlich verkehrsberuhigt werden, um das Universitäts-Hauptgebäude nahtlos in den neuen Campus einzubinden. Ein offenkundiger Widerspruch, meint Beckstein.

Auch dass das Parkhaus mit geplanten 402 Stellplätzen einerseits laut Stadtratsbeschluss mit 400 öffentlichen Plätzen künftig wegfallende Parkflächen in der Innenstadt kompensieren, andererseits aber auch noch den Eigenbedarf der Universität mit 200 Plätzen decken soll, kann der Informatiker nicht nachvollziehen. Hinzu komme, dass auch der Neubau für Intershop am Steinweg nicht den Eigenbedarf an Parkplätzen decken könnte. Dort soll unter anderem im Erdgeschoss ein Supermarkt entstehen. Ungeklärt ist ebenso, wie der Lieferverkehr die Fakultätsneubauten erreichen soll. Das sei schliesslich mehr als ab und zu ein Karton Druckerpapier.

Vom Dezernat für Stadtentwicklung fühlt sich Beckstein allein gelassen. „Dort will man das Problem offenbar aussitzen und den unbefriedigenden Zustand irgendwann als alternativlos deklarieren.“ Bereits im Dezember schrieb er deshalb einen langen Brief voller Fragen an Dezernenten Denis Peisker und den Stadtentwicklungsausschuss, weil zu diesem Zeitpunkt die Mobilitätsleitlinien der Stadt lang und breit beraten wurden. Den sich rund um den Inselplatz abzeichnenden Konflikten wollte man sich dabei offenbar nicht widmen. Das Problem wurde auf die erste Januarsitzung verschoben und auch dort nicht behandelt.

Um endlich Klarheit zur konkreten Planung zu bekommen, schickt der Prodekan jetzt den Stadtrat Beckstein vor. Gemeinsam mit Piraten-Kollegin Heidrun Jänchen hat er eine Große Anfrage mit 34 Einzelfragen rund um den Inselplatz geschrieben. Auch der Radverkehr und das Parkkonzept für die Innenstadt sind Gegenstand der Anfrage.

„Wenn die Stadtverwaltung nicht bald aktiv wird, dann entsteht hier für viele Jahre der nächste Dauerstau der Stadt und macht das Projekt Osttangente schon vor der Realisierung zur Farce“, drängt Beckstein zur Eile. Die Universität will ihre Planungen bis zum Frühsommer bereits abgeschlossen haben. Für die Beantwortung der Großen Anfrage hat die Stadtverwaltung zwei Monate Zeit. Das wird knapp.

Den Text der Anfrage gibt es hier: GA_Verkehr_Inselplatz_V3.

2 Kommentare zu “Stadtverwaltung sitzt Probleme um Inselplatz-Planung aus

  1. Daniel Pfletscher

    Auf die Antworten, die sicherlich auch hier veröffentlicht werden (?), sind sicherlich Viele gespannt. Ein Grundgedanke fehlt mir in der ganzen Diskussion trotzdem. In Jenas Innenstadt wird nicht nur eingekauft, gearbeitet und studiert, sondern auch gewohnt. Die Verantwortlichen sollten mal abends über den Inselsplatz schlendern und nachzählen, wieviele PKW mit Anwohnerparkausweis dort stehen. Wo sollen die denn eigentlich hin? Tragen die Familien, die hier wohnen, Einkäufe, Gepäck und Kinder zukünftig jeden Tag vom Seidelparkplatz zum Steinweg?
    Danke für das Engagement.

    • Hm, das ist ein wunder Punkt. Anfragen und Antworten darauf wollten wir eigentlich auch hier einpflegen, aber die Tage haben immer nur 24 Stunden … Man findet beides aber auf den Seiten der Stadt.
      Mit den Anwohnern haben Sie zweifellos recht. Da waren auch wir betriebsblind. Wenn Sie sich trauen, dann stellen Sie doch im Februar im Stadtrat eine Bürgeranfrage dazu. Das würde bestens passen, und allgemeine Aufmerksamkeit wäre der Frage gewiss – wird schließlich live von JenaTV übertragen.

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