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Wahlkampf 05.03.2018: Rettet die Innenstadt

Die Initiative Innenstadt hat zur Diskussion geladen. Das ist eine Selbsthilfegruppe von Händlern und Gastronomen aus dem Zentrum, die sich von der Stadt allein gelassen fühlen. Zu recht. Herrschte angesichts der Eichplatzpläne noch flächendeckende Resignation, ist man jetzt in Bewegung gekommen. Der rücksichtslose Umgang mit den Betroffenen beim grundhaften Ausbau der Wagnergasse, Jenas Kneipenmeile, hat für reichlich Verdruss gesorgt. Angeführt wird der sehr gesittete Aufstand vom Manager des größten Einkaufszentrums der Stadt.
Was die Initiativler umtreibt: die Angst vor dem Verkehrschaos, wenn an allen Ecken und Enden zugleich gebaut wird. Wie sollen potenzielle Kunden noch in die Stadt kommen? Und wo parken? Was macht die Innenstadt attraktiv? Und was tut man gegen kriminelle Jugendbanden? Warum ist die Verwaltung im Umgang mit den Bürgern so herzlos?

Hier ein paar Antworten:
Wenn Eichplatz und Inselplatz gleichzeitig bebaut werden (möglichst auch noch die Bibliothek am Engelplatz), dann werden massiv Parkplätze fehlen. Mal abgesehen davon, dass überall so wenige geplant sind, dass sie nie den Bedarf decken werden. Jetzt brauchen wir wahr und wahrhaftig ein Parkleitsystem, um wenigstens die Tiefgaragen vollständig zu nutzen. Außerdem muss man darüber nachdenken, Flächen zum Parken freizugeben. Die Neugasse zum Beispiel, wo das früher möglich war. Außerdem wäre Park&Ride ein Ansatz, um die Pendlerautos aus der Stadt zu bringen. Und am Wochenende könnte man die Parkplätze der Stadtverwaltung freigeben. Ich hatte auch schon beantragt, in West einen Platz für ein Parkhaus zu suchen. Das hat die Koalition abgelehnt. Parken am Stadion ist vermutlich keine Lösung.
Attraktivität braucht mehr als Verkaufsfläche. In Zeiten des Internethandels ist die Ausweitung der Läden keine Lösung, zumal sie meist zu immer mehr vom Gleichen führt. Gerade die kleinen und speziellen bleiben auf der Strecke. Es müssen andere Dinge her: Kultur, Gastronomie, Schönheit, Spaß. Bänke zum Sitzen sind auch nicht verkehrt.
Gegen kriminelle Jugendliche helfen vor allem Bildung und legale Freizeitangebote. In Mitte/West wäre ein Jugendzentrum eine gute Idee. Darüber hinaus würde das Sicherheitsgefühl der Leute sicher besser, wenn sich das Ordnungsamt nicht nur um geparkte Autos kümmern würde, sondern abends auch mal durch die Stadt patrouillierte, gern zusammen mit der Polizei. Die müssen ja nicht gleich jeden Jugendlichen kontrollieren, der irgendwie aussieht. Es würde helfen, dass im Falle des Falles jemand in der Nähe wäre, den man um Hilfe bitten kann.
Ohne genau zu wissen, welches Projekt des Bürgers da uncharmant abgelehnt wurde: Es wäre viel geholfen, wenn die Verwaltung in einer Sprache spräche, die der normale Bürger versteht. Tut sie selten. Sie sollte auch Vorschläge machen, wie Anliegen X in genehmigungsfähiger Weise umgesetzt werden kann, wenn die Art, die dem Bürger vorschwebte, nicht funktioniert

Ich nehme noch einige Erkenntnisse mit:
Ich bin die Einzige der OB-Kandidaten, die in den letzten Wochen keine Klamotten gekauft hat.
Die Stadt, die unbedingt den Anteil des umweltfreundlichen Radverkehrs erhöhen möchte, schafft es nicht einmal, die Hauptverkehrsstraßen einigermaßen schneefrei zu bekommen. Zwei Kandidaten sind mit dem Rad da. Der verantwortliche Dezernent ist nicht darunter. Es ist nicht lustig.
Wenn man dem Amtsträger oder seinem Dezernenten das Mikrofon überlässt, dauert es länger.

8 Kommentare zu “Wahlkampf 05.03.2018: Rettet die Innenstadt

  1. Holger Herrmann

    Wenn ich den heutigen Beitrag in der OTZ lese, glaube ich die OB Kandidaten waren zum Eierkuchenfest in Kunitz. Einzig Arne Petrich hat wohl etwas aufgemuckt. Bestehende Tiefgaragen Plätze und Park & Ride sind in meinen Augen keine Lösung für künftige Verkehrsprobleme.
    http://jena.otz.de/web/jena/startseite/detail/-/specific/Diskussion-mit-den-OB-Kandidaten-Jenas-kritische-Jahre-ab-2020-935979576

    • Auf die Berichterstattug der OTZ habe ich leider keinen Einfluss. Da ist dann nur der Verweis auf die Tiefgaragen übriggeblieben. Die Frage lautete, wie man während der Bauzeit an Insel- und Eichplatz mit den Parkplätzen umgehen möchte. Egal wie tief die Tiefgaragen da werden – solange gebaut wird, werden sie nicht verfügbar sein. Dass man Flächen zum Parken wieder freigeben soll (z. B. die Neugasse), ist auf der Strecke geblieben, wie auch meine Kritik daran, dass am Inselplatz viel zu wenig Parkfläche geplant ist. Das war jetzt eher Hofberichterstattung von Herrn Groß. Vielleicht war ich zu diszipliniert. Ich habe versucht, sinnvoll auf die Fragen zu antworten, statt einfach alles zu erzählen, was ich gerade loswerden will. Fakt ist: Falls gleichzeitig gebaut wird (was nicht die beste Idee ist), müssen alle Reserven an Stellplätzen zusammengekratzt werden. Vermutlich muss man jede Woche neu überlegen, wo gerade Autos hinpassen – deshalb das Parkleitsystem.
      Dass Herr Büker als Moderator bei den vollmundigen Sprüchen von Schröter, Peisker und Koppe energisch nachfragte, warum man als Teil der Koalition nicht schon in den letzten 7 Jahren etwas umgesetzt habe, fehlt leider auch.

      • balogh, annegret

        Liebe Frau Jänchen,
        Hofberichterstatter gefällt mir bestens!
        Alles was Sie hier berichtet haben, genauso habe ich mir das gedacht. Inzwischen – und besonders bei Herrn Groß – kann ich zwischen den Zeilen lesen. Wie kann ich Herrn Büker motivieren, selbst einen Bericht zu schreiben?

        • Holger Herrmann

          Mit den Druckmedien ist das so eine Sache. Die OTZ hat vor Jahren mal erklärt, dass sie nur auf Leserbriefe zu bereits veröffentlichten Artikeln reagiert. Leserbriefe können, müssen aber nicht veröffentlicht werden. Sie können natürlich gekürzt werden.
          Bei Facebook von OTZ und TLZ können Sie Beiträge kommentieren, wenn dort ein entsprechender Verweis zu einem Artilel der Druckausgabe erscheint.
          Bei FB OTZ ist die Kommentarfunktion eingeschränkt. Sie können dort keine eigenen Fotos und Dokumente anhängen, ebenso ist eine Verlinkung zu anderen Quellen nicht möglich.
          Wenn Sie Zeit haben schreiben Sie Herrn Bücker doch mal einen Brief oder eine Mail.

        • Gute Frage … Wahrscheinlich verträgt sich die Moderation nicht mit dem Artikelschreiben. Ich schreibe ja bei allem Möglichen mit, aber es ist schon schwierig, dabei nicht den Faden zu verlieren. Es wird aber noch ausführliche Kandidaten-Interviews geben. Ich habe gerade – mit einer strengen Druckzeichenbegrenzung – einen Sack Fragen dazu beantwortet. Am längsten dauerte das Kürzen der Antworten.

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