blog Stadtrat Wahlen

Wahlkampf 16.03.2018: Polarexpedition

Das Jugendparlament hat zur Debatte im „Polaris“ eingeladen. Draußen stöbert der Schnee – das passt ja. Ich bin neugierig auf das Jugendzentrum der Stadt mit der höchsten Besucherquote. Es ist deutlich größer als Treffpunkt und Hugo, und es wirkt irgendwie freundlicher – nagelneu (kann eigentlich nicht sein, aber so sieht es aus), freundlich, hell, aber auch untypisch. Es könnte ebenso ein Seniorenzentrum sein. Auch die Jugendlichen sind andere. Sie sind politisch interessiert, selbstbewusst und doch wohlerzogen. Es ist eine andere Welt. Kaum zu glauben, dass es sich nur um zwei Enden der gleichen Stadt handelt.
Die Fragen sind danach. Es geht viel um Verkehr. Ein kostenloses Schülerticket ist eine feine Sache, aber die Jugendlichen aus Jenas Norden fragen, wie man das denn finanzieren möchte. Aus Steuern natürlich, weswegen ich als OB natürlich hinter dem Zeiss-Neubau und auch hinter dem Inselplatz-Campus der Universität stehen würde, und zwar energisch. Aber ich finde, man hätte auch die 100.000 € teure Studie zu „Grünoasen“ sparen und einfach mal die Bürger fragen können. Schon hätte man mehr Geld.
Das piratige „Einfach mal die Bürger fragen“ scheint als Ansatz jedenfalls akzeptabel. Ich bilde mir nicht ein, genau zu wissen, was die Jugendlichen im Saal möchten. Ich bin jemand, der auf die Straße oder auch in die Schule geht und mit Leuten redet. Was vielleicht konkreter ist als „Beteiligungsinstrumente“, die immer ein wenig nach Folterkammer klingen.
Aber ja, sie sind für einen Ausbau des Nahverkehrs. Wenig können sie sich dagegen mit dem FDP-Projekt Westtangente anfreunden, das eine vierspurige Straße gleich neben der IGS „Grete Unrein“ bedeuten würde. Die Schule als Schallschutz für dahinterliegende Wohnhäuser – nee, das geht gar nicht.
Die Polizei kommt auch wieder vor, obwohl von den Anwesenden nur vier in letzter Zeit kontrolliert wurden. In Nord offenbar nicht so das Problem. Aber dass ich anlasslose Kontrollen falsch finde und die Kriminalisierung von Cannabiskonsumenten gleich mit, scheint trotzdem der richtige Ansatz. Jugend ist kein Straftatbestand. Die Argumentation der Mitbewerber, man möge die Polizei doch machen lassen, schließlich wolle man doch auch sicher leben, kommt jedenfalls nicht so gut an.
Auch Klimawandel und Integration von Flüchtlingen werden abgefragt. Bei beidem steht die Stadt so schlecht nicht da. Aber als Oberbürgermeisterin müsste ich dem Land auf die Nerven gehen, damit für die Integration, ganz besonders für Sprachunterricht, mehr Geld fließt.
Ach ja, und natürlich brauchen wir in Nord eine weitere Schule, wenn ohne Ende Wohnungen gebaut werden. Vielleicht auch eine zweite Polarstation.
Nach einer längeren Diskussion über Rödigen, Fledermäuse und die Notwendigkeit, irgendwie Strom zu erzeugen und Leute in Häusern unterzubringen, mache ich mich wieder auf in die eisige Nacht. Die Wahlplakate am Straßenrand sehen alle gleich aus: weiß.

0 Kommentare zu “Wahlkampf 16.03.2018: Polarexpedition

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.