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Wahlkampf 19.03.2018: Frauen und Löbstedter

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Frau Bartlau, hatte zur Diskussion geladen. Auf acht OB-Kandidat*innen kamen 32 Frauen und 6 Männer im Publikum. Effizienz sieht anders aus.
Es war nicht unbedingt meine Stammwählerschaft. Wenn mir gesagt wird (mit einem nicht überhörbaren Vorwurf), Frauen brauchten gar nicht mehr Durchsetzungsvermögen, sondern die Politik müsste weiblicher, harmonischer und friedlicher werden, dann weiß ich, dass ich verloren habe. Nicht nur, weil mir sofort unsere Aufrüstungsministerin Ursula von der Leyen einfällt, sondern auch, weil ich weiß, was aus der Eichplatz-Aktivistin geworden ist, die im Stadtrat genau auf dieser Linie argumentierte – sie hat das Handtuch geworfen, weil sie die Blockadehaltung und unsachliche Argumentation nicht aushalten konnte (was ich sehr bedaure).
Hier einige meiner Antworten:
Ich lebe in weitgehend männlicher Umgebung – ich bin Physiker, und nur ein Viertel meiner Kollegen sind Kolleginnen. Von Quotenregelungen halte ich außer bei Betriebs- und Personalräten (mit einer nicht gleichverteilten Grundmenge) nicht so viel. Allerdings verlangt die Quote für unser Unternehmen da genau 1 Frau – wir sind aber zwei. Kompetenz setzt sich durch. Und außerdem kandidiere ich und nicht, wie die Koalition lange annahm, mein Mitstreiter Clemens Beckstein.
Das Frauenhaus (ein Fluchtort für Frauen und Kinder in gewalttätigen Beziehungen) halte ich für notwendig und unverzichtbar. Ich würde mir allerdings genauere Informationen wünschen, ob sich die Flüchtlinge aus dem arabischen Raum wirklich in einem höheren Bedarf niederschlagen, wie alle in der Runde vermuten.
Eine Täterberatung halte ich aber auch für eine gute Idee, wobei sie natürlich nur die erreicht, die ein Unrechtsbewusstsein haben.
Was die Gewalt betrifft, muss ich (warum kann ich meine Weisheit nicht für mich behalten?) darauf hinweisen, dass Männer weit öfter Opfer sind als Frauen. Ich halte grundsätzlich Bildung für die beste Prävention – und männliche Lehrer, Kita-Betreuer, Sozialarbeiter für dringend notwendig. Die rein weibliche Bildungslandschaft macht Jungen zu Bildungsverlierern. Das hat damit zu tun, dass der Lehrerberuf schlechter bezahlt wird als andere und in seinem Ansehen über die Jahrzehnte abgewertet wurde – und zu einem Frauenberuf. Das wollen die Damen sichtlich nicht hören, obwohl ich einfach nur den Zustand beschreibe.
Frau möchte mehrheitlich lieber Empathie als Argumente und Durchsetzungsstärke. Was soll’s, ich habe mich durchgeschlagen.

Szenenwechsel: Löbstedt. Obwohl ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, bin ich die Erste in der Rauhtalschule, was meine Meinung bestärkt, dass Fahrräder in der Stadt unschlagbar sind. (… und mir später am Abend die Erkenntnis beschert, dass die Nacht mit jedem Kilometer kälter wird.)
Ich habe bis in die Nacht Löbstedt in allen seinen Facetten studiert. Löbstedt ist schwierig, denn es passt zusammen wie zwei linke Schuhe. Einerseits ist da das alte, geradezu museale Dorf, andererseits Kaufland, die weitgehend ungenutzten, ehemaligen Gebäude des Landesamtes für Verbraucherschutz, eine Schule auf ganze 850 Einwohner und ein ökologisches Großexperiment. Mit meiner Meinung, dass das alte Landesamt sehr wohl für nichtstörendes Gewerbe geeignet wäre, stehe ich allein da. Darauf ist noch keiner gekommen.
Die anderen in der Runde versprechen fröhlich den Bau der Wiesenstraße (bis auf Sandro Dreßler, der wie ich mit dem Fahrrad da ist). Ich weiß, dass ich das auch tun sollte, aber ich weiß auch, dass der Stadtrat gerade alles Geld ausgegeben hat, das dafür nötig wäre. Ob die Löbstedter die Ehrlichkeit zu schätzen wissen?
Was die Investitionen in die soziale Infrastruktur betrifft – Schule, Kita, Bürgerräume … – scheinen sie meiner Meinung zu sein. Das größte Problem der Löbstedter ist Zwätzen, das gerade ungebremst und nicht ganz freiwillig wächst. Gewachsen wird sozusagen. Der Ortsteilbürgermeister von Zwätzen lächelt nachsichtig dazu.
Natürlich kommt auch der Wagenplatz zur Sprache. In Löbstedt hört sich die Debatte deutlich kritischer an als letzte Woche im Stadtrat. Alle haben warme Worte, der Amtsinhaber deutet vage an, man werde eine Lösung finden, das müsste auch nicht in Löbstedt sein. Aha. Ich habe als einzige eine klare und rechtlich tragfähige Meinung, und die heißt Zeltplatz. Der Verein könnte sehr wohl eine Fläche als Zeltplatz pachten und seinen Mitgliedern Parzellen vermieten. Natürlich müssten dann in üblicher Weise Wasserversorgung und Abwasser, Müllabfuhr und Toiletten organisiert werden. Das gefällt den Löbstedtern.
Und dann werfen sie den angehenden OB und seine Konkurrenten auch gleich wieder raus, um über die 800-Jahr-Feier zu reden. Sympathisch selbstbewusst.

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