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Wahlkampf 21.03.2018: Kandidaten als Boxenluder

Die Interessengemeinschaft Jena-Süd, ein Verband größtenteils mittelständischer Unternehmen, hat zur Debatte geladen, und zwar ins nagelneue Autohaus. Die Ausstellungsfläche ist erstaunlich voll, obwohl es mutmaßlich weniger Unternehmer als z. B. Rentner in Jena gibt. Die Sitzordnung ist ein Statement: Amtsinhaber, Dezernent und FDP-Kandidat in der Mitte, der Rest irgendwie am Rand, die Piratin am äußersten Rand.
Herr Büker von der TLZ sorgt dafür, dass es nicht gar zu einseitig wird. Es geht erst einmal um Maua. Dazu habe ich eine klare Meinung: Wenn man mit eingemeindeten Ortschaften umgeht wie mit Maua, mit Industriegebiet bis an den Gartenzaun, Hochstraße quer durch, fehlendem Lärmschutzwall und der tollen Idee, Fußballplatz und Kegelbahn zu schleifen, dann muss man sich nicht wundern, dass die Umlandgemeinden sich nicht eingemeinden lassen wollen.
Das Umland wird nachfolgend hoch und runter dekliniert – einschließlich des FDP-Regionalkreis-Modells. Gefühlt hundert Mal will man „auf Augenhöhe“ mit dem SHK sprechen. Und „Hausaufgaben machen“.
Sechs von acht Kandidaten versprechen, dass es mit ihnen keine Gewerbesteuer-Erhöhungen geben wird. Sandro Dreßler ist vorsichtig. Ich finde, diese Zusage ist kühn, weil kein Mensch weiß, wie sich die Rahmenbedingungen weiterentwickeln. Das hängt ja nicht nur vom OB ab, sondern auch von der Weltwirtschaft. Außerdem widerspreche ich wieder einmal der Behauptung, Jena sei reich und jammere auf hohem Niveau. Wir jammern auf mittelmäßigem Niveau, aber manche in der Stadt vergleichen sich immer mit Städten, die viel mehr Steuergeld einnehmen und sich entsprechend große Sprünge leisten können. Bei uns wäre mehr Disziplin und weniger Hoffnung angesagt. Wenn dann Geld übrig bleibt – umso besser.
Aber natürlich sind Investitionen in die Bildung auch Investitionen in die Wirtschaft. Ich zum Beispiel möchte Technik-Unterricht an Jenaer Schulen, wo man lernt, was eine technische Zeichnung ist und wie eine Fräsmaschine funktioniert. Denn mit Maschinenbau, dem Fundament aller deutschen Wirtschaft, werden Schüler nicht mehr konfrontiert. Vielleicht würden sich ja auch mehr junge Frauen für technische Berufe entscheiden. Ja, ich sorge mich um den Fachkräftenachschub, denn ich weiß, wovon ich rede. Und ich weiß auch, dass der Mittelstand nicht weniger wichtig ist als unsere zwei bis drei Großunternehmen.
Auch der eventuelle Hauptbahnhof kommt zur Sprache. Ich finde, Burgau hat gegenüber Göschwitz keinen großen Vorteil. Auch von Burgau aus möchte man nicht zu Fuß ins Zentrum stiefeln, und die Fläche dort könnte man auch anderweitig nutzen – für Gewerbe etwa. Die Wirtschaft nickt. Vom Bahnhof Göschwitz kann man immerhin ins Gewerbegebiet Göschwitz zu Fuß laufen.
Schließlich werden die Kandidaten genötigt, vor einem bulligen schwarzen Wagen zu posieren, der mindestens so tut, als könnte man damit die Rallye Paris-Dakar gewinnen, wenn es die denn noch gäbe. Aber irgendwer hat auch mein Stoßgebet vom Vortag erhört, als ich gegen 22 Uhr aus der Debatte kam: Warum gibt es immer nur Wasser und keine Brötchen?! Bei der Wirtschaft gibt es Brötchen. Beim Kauen gerate ich in eine Diskussion um die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung … Mahlzeit.

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