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Wahlkampf 26.03.2018: Speed-Dating in Wenigenjena

Die OB-Kandidaten-Truppe gastiert in Jena-Ost, dem glücklichsten Planungsraum der Stadt. Der Raum im Angegymnasium ist voll bis zum Rand, die Letzten stehen. 300 Leute, sagt man mir später. Die Runde schwächelt. Benjamin Koppe (CDU) lässt sich von Guntram Wothly vertreten, der im Verlauf der Debatte nie auf Fragen antwortet, sondern vorträgt, was auf seinem Zettel steht – und in wirklich jedem Satz irgendwo den Namen des Kandidaten unterbringt. Arne Petrich fehlt ganz.
In Wenigenjena gibt es viele Fragen, aber wenig Redezeit. In nur einer Minute kann man kaum mehr als ein paar Schlagworte unterbringen.
Erwartungsgemäß kreist die Debatte um den Jenzigfuß und die Kleingartenanlage darauf. Nein, die will ich nicht bebauen. Ich bin, als man den Plan aufbrachte, eigens mit anderen Stadträten durch Jena gezogen, um mögliche Bauflächen aufzutreiben. Ein Teil wurde von der Verwaltung gnädig akzeptiert, viele mit dem Nonsens-Argument „Außenbereich“ abgelehnt.
Eine Straßenbahn bis Wogau? Ich weiß, wie schlecht man zu manchen Zeiten nach Wogau kommt – Clemens Beckstein fährt nach dem Stadtrat mit dem Taxi nach Hause. Aber ich weiß auch, wie teuer eine Straßenbahn ist und wie lange das Himmelreich darauf schon wartet. Mit anderen Worten: Wir sollten vorerst über bessere Busverbindungen reden. Aber dass man zwischen Ost und Wogau weiter baut, hatten wir auch vorgeschlagen – damals vergeblich.
Es gibt auch Dreiergruppen von Projekten und Themen, die wir in eine politische Reihenfolge bringen sollen. In meinem Fall: Inselplatz vor Eichplatz und vor Bachstraßenareal. Hat Gründe. Der Inselplatz ist am weitesten in der Planung und für die Universität enorm wichtig, und auf dem Bachstraßenareal sitzt das Land und brütet vor sich hin. Den Bebauungsplan dafür finde ich allerdings wichtig, damit klar ist, was wir eigentlich da wollen.
Und: Schwimmbad vor Stadion vor Konferenzzentrum. Klar bin ich für Breitensport vor Zuschauersport (und billiger ist es obendrein), und für das Konferenzzentrum gibt es einfach keinen Bedarf. Die Uni will es nicht, und für zwei bis drei Großkongresse von Leuten, denen man einen Hörsaal nicht zumuten kann, muss man nicht das gesamte Volkshaus umbauen. Ich glaube, der Grund für das Projekt ist nur, dass Weimar eins hat und die Lichtstadt nicht.
Auch Bildung, ÖPNV und Kultur sind in der Reihenfolge eindeutig – weil die ersten beiden Pflichtaufgaben sind und Bildung sowieso die beste Investition in die Zukunft und die beste Armutsprävention ist. Kultur ist freiwillig. Wir dürfen gar nicht bei der Pflicht sparen. Martina Flämmich-Winckler und Sandro Dreßler sehen das ähnlich, wenn auch nicht ganz so eindeutig. Der Rest der Runde drückt sich mehr oder minder vor einer Reihenfolge und erklärt, wie ungeheuer wichtig Kultur ist. Das sind die Leute, die lieber an den ermäßigten Tickets für Sozialleistungsbezieher und Schüler sparen als am Themenjahr „Romantik, Licht, Unendlichkeit“. Tut mir leid, das ist nicht mein Politikansatz. Keine Ahnung, ob irgendeiner der Zuhörer zu würdigen weiß, dass ich mich vor Entscheidungen nicht drücke.
Am Ende gibt es eine eindringliche Eigenwerbung des Amtsinhabers, die auf mich wirkt wie Pfeifen im Walde.

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