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Wahlkampf 28.03.2018: Wiesenstraße und Straßenbahn

Diesen Bericht hätte ich beinahe verschusselt …

Der Termin ist 17:00 Uhr, einmal quer durch die Stadt. Als ich losfahren will, gießt es wie aus Eimern. Also lasse ich das Fahrrad stehen und steige ins Auto. Nach dem ersten Kilometer hat der Regen aufgehört, und ich stehe im Stau. Das dauert.
Auch in Zwätzen ist der Schulspeiseraum voll, obwohl da keiner stehen muss. Ach ja, der Zwätzener Speiseraum steht in Löbstedt. Statt Benjamin Koppe ist diesmal Rosa Maria Haschke am Start. Der Amtsinhaber kommt zu spät, weil er mal wieder einen äußerst dringenden anderen Termin hat. Mir brummt der Schädel. Ich fürchte, die entwickle eine Phrasen-Allergie. In der Liste der Allergene stehen „auf Augenhöhe“, „erfolgreich“ und „die Bürger mitnehmen“ ganz oben. Und der flaue Witz des OB mit dem befristeten Arbeitsverhältnis.
Die Zwätzener interessieren sich vor allem für den Verkehr. Sie wollen die Straßenbahn und die Verlängerung der Wiesenstraße, und zwar morgen. Manche können auch auf die Straßenbahn verzichten, wenn sie stattdessen die Wiesenstraße bekommen. Ich rede von Geld. Das kommt nicht gut an. Die Bürger meinen, irgendwo könnte man das bestimmt auftreiben. Immerhin kann ich für mich verbuchen, dass ich dem Stadionbeschluss nicht zugestimmt habe, weil das Geld anderswo besser aufgehoben wäre.
Thomas Nitzsche (FDP) macht es ganz geschickt. Er behauptet, „manche Parteien“ wöllten den kostenlosen Nahverkehr, der 13 Mio. € im Jahr kosten würde. Damit könnte man die Wiesenstraße sicher bezahlen. Und sonst müsste man halt an den weichen Faktoren sparen. Das finde ich witzig. Wir nehmen die 13 Mio. €, die uns für den kostenlosen Nahverkehr fehlen, und bezahlen damit die Wiesenstraße. Die schon einmal eingesparte Förderung der Schülerbeförderung beläuft sich auf 120.000 €, also 1 % der Straßenkosten. Wenn wir die für 100 Jahre einsparen, haben wir das Geld zusammen. (Wir Piraten übrigens möchten einen fahrscheinlosen Nahverkehr für Kinder und Jugendliche, was auf ein verbilligtes Jahresticket hinausläuft.)
Denis Peisker verkündet, soziale Infrastruktur könnte man sich nun mal nur in Mehrfamilienhaus-Erdgeschossen überhaupt leisten, und deshalb wäre die Verdichtung dringend notwendig. Allerdings entsteht die Infrastruktur einfach nicht, und eine Schule wird sicher nicht ins Erdgeschoss passen. Ein wenig läuft das alles wieder in die Richtung, dass jeder andere Ansatz Quatsch ist und alle anderen dusselig.
Da es jeweils 5 Minuten Redezeit gibt und nur ein Mikro, hat man praktisch nie eine Chance, auf dreiste Behauptungen zu reagieren.
Auch Bürgerbeteiligung spielt eine Rolle. Ich bin dafür, zu den Leuten vorort zu gehen, schon bei der Planung ein Bauschild nebst Visualisierung am Ort des Geschehens aufzustellen und den Leuten auch einen Zettel in den Kasten zu werfen. Man muss sie da aufsuchen, wo sie sind.
Am Ende gibt es noch einen breiten OB-Werbeblock. Albrecht Schröter erklärt in warmen Worten, dass er vor 12 Jahren geglaubt habe, alles besser als der Amtsvorgänger machen zu können. Inzwischen habe er aber eingesehen, dass es gar nicht so einfach sei und Röhlinger sein Bestes getan habe, und so weiter, und so fort. Botschaft: Vergesst einfach, dass ihr irgendwas besser machen könntet. Denis Peisker toppt das, indem er erklärt, dass man für das OB-Amt natürlich unbedingt Berufserfahrung als leitender Angestellter der Stadt mitbringen müsste – und die hätten nun mal nur Schröter und er. Mit anderen Worten: Eine Monarchie wäre eigentlich auch ganz schön.

1 Kommentar zu “Wahlkampf 28.03.2018: Wiesenstraße und Straßenbahn

  1. Gerald Schmidt

    toller Bericht, als ob man selbst dabei gewesen, vielen Dank, wählt Liste 7⃣!

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