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Mehr Geld für Vandalismus

Was tut man, wenn das Kind trotz mehrfacher Ermahnung Nachbars Gewächshaus als Fußballtor benutzt und dann auch noch trifft? Völlig klar – man kauft ihm ein Eis. Zumindest in der Stadtpolitik läuft es so.
Fans des FC Carl Zeiss beschmieren und bekleben ohne Rücksicht auf Verluste jede senkrechte Fläche in der Stadt mit ihren Parolen. Viele Bürger haben längst die Nase voll von diesem Vandalismus. Der Piraten-Vorschlag, die finanzielle Unterstützung des Profi-Clubs um 50.000 € im Jahr zu kürzen und das Geld in die Grafitti-Beseitigung zu stecken, scheiterte im Stadtrat allerdings. Kollektivstrafen seien nicht gut, und außerdem zahle man dem Club gar kein Geld, man habe nur einen entsprechend günstigen Mietvertrag für das Stadion abgeschlossen. Damit war klar: Vandalismus bleibt straffrei.
Aber es geht noch schlimmer. Wie die Lokalpresse berichtete, ist die Stadt jetzt „Premiumsponsor“ des FC Carl Zeiss. Wie viel sich die Stadt das kosten lässt, verrät sie nicht. Bei den Fußballerinnen des USV sind es 50.000 Euro. „Wir sind Jena“ verkünden sie dafür in großen Lettern auf dem Rücken. Dass die Männer weniger bekommen, darf bezweifelt werden – dafür bekommt die Stadt einen Ärmelaufdruck. Und die Bandenwerbung. Da fragt man sich natürlich, warum die Stadt bei einem Mietnachlass von immerhin einer Million Euro pro Jahr nicht das Recht hat, an die Banden ihres Stadions zu schreiben, was sie will.
Andererseits fragt man sich, wie effektiv das Geld die erhofften Fachkräfte, Studenten und Touristen anlocken wird. Werden Fans, die man mit Gittern und Polizeiketten von den Heimfans trennen muss, damit sie einander nicht verprügeln, tatsächlich angesichts der Bandenwerbung denken: „Oh, hier sollte ich mal Urlaub machen“? Ohnehin sind von den durchschnittlich 5800 Gästen im Stadion rund achtzig Prozent aus der näheren Umgebung. Zwar gibt es auch noch die Fernsehübertragung, aber auch da stellt sich die Frage, wer während des Spiels eigentlich die Bandenwerbung liest. Welcher Fan, wenn seine Mannschaft gerade gegen Jena verloren hat, sagt sich: „Na, da ziehe ich doch nach Jena, dann bin ich der Gewinner“? Wer will, falls die eigene Mannschaft gewinnt, ausgerechnet in der Verliererstadt studieren?
Fakt ist: Die mutmaßlich 50.000 € werden nicht in ein gepflegteres Stadtbild investiert, an dem sich vielleicht auch die Fachkräfte und Studenten erfreuen würden, die schon hier sind. Es gibt sie als Bonus für Fans, die deutlich gezeigt haben, dass ihnen die anderen 100.000 Bürger in der Stadt und deren Interessen völlig egal sind. Jetzt kann man Wetten abschließen, wie lange es dauert, bis das gerade gereinigte Glashaus im Paradies wieder als Fußball-Werbefläche herhalten muss.

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