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SEA 16.05.2019: 100 und Schluss

Öffentlicher Teil

Das ist heute die 100. Sitzung des SEA in dieser Wahlperiode. Elisabeth Wackernagel (CDU) bedankt sich bei allen, weil das auch ihre letzte Sitzung ist. Es gibt Reden und Geschenke.

1. Tagesordnung

Ira Lindner (Sachkundige Linke) beantragt, die Berichtsvorlagen auf die nächste Legislatur zu vertagen, weil der neue Stadtrat sonst die Informationen nicht hätte.

Gegenrede Gerlitz: Man erwartet einen arbeitsfähigen Ausschuss erst nach der Sommerpause. Es sei keine formelle Beteiligung, sondern eine möglichst frühzeitige Information.

Ira Lindner fragt, ob es die Berichte auch schriftlich geben wird, weil die Protokolle des Ausschusses lange dauern.

9/0/0

2. Neugestaltung Kinderspielplatz Friedenstraße – Ballspielbereich

Vorlage: 19/2276-BV

Der Ballspielplatz wurde 1995 errichtet und 2015 „zurückgebaut“, also abgerissen. Die Ballfanggitter waren verbogen, der Belag abgenutzt, und weil in Deutschland alles seine Ordnung haben muss, aber damals kein Geld da war, hat man alles abgerissen und Rasen eingesät. Es gibt 2016 Kinder unter 16 Jahre im Bezirk Jena-Nord, also genügend Zielgruppe. Die Planung wurde bereits im OTR und im Polaris vorgestellt. Als „Ballfanganlage“ wird ein Stahlnetz verwendet, das weniger Lärm emittiert.

Heiko Knopf (Grüne) fragt, ob Bäume gepflanzt oder gefällt werden. Einer wurde gefällt, weil er irgendwie im Wege stand, erfahren wir.

Rosa Maria Haschke (CDU) fragt nochmal nach ovalen Tischtennisplatten. Antwort: Im Polaris wollte man die Platten so, wie sie sind. Nach meiner Erfahrung kann man auch an eckigen Platten chinesisch spielen – also in einer großen Meute, die fröhlich rundherum läuft.

9/0/0 bestätigt

3. Antrag des Vorhabenträgers auf Einleitung eines Verfahrens zur Aufstellung eines Vorhabenbezogenen Bebauungsplans B-Wj 18 „Nördlich der Karl-Liebknecht-Straße“

Vorlage: 19/2301-BV

Der Technische Leiter der WG Carl Zeiss stellt das Projekt vor, das jetzt „Erlenhöfe“ heißt, weil es in der Nähe des Erlkönings liegt. Es soll Wohnungen mit bis zu 7 Räumen geben. Sie haben als Genossenschaft relativ viel Bestand mit 3 bis 4 Zimmern. 126 von 139 sollen belegungsgebundene Wohnungen sein. 92 % der Wohnungen werden barrierefrei sein, teilweise rollstuhlgeeignet. Damit dürfte bewiesen sein, dass sich für sozialen Wohnungsbau tatsächlich Investoren finden, allen Teufeln zum Trotz, die an diverse Wände gemalt wurden.

Dezernent Gerlitz verweist darauf, dass die Ausschreibung genau das Verfahren vorgab, das künftig die Regel sein soll. Es würden zwar Kleingärten verloren gehen, aber wenn das Konzept gut sei, habe sich gezeigt, dass die Akzeptanz höher wäre.

Hr. Köhler (CDU) fragt nach den Dachformen, weil es sonst im Bereich Ziegeldächer mit Spitzgiebel gibt. Antwort: Bei Flachdächern kann man mehr Wohnfläche unterbringen. Die Dachflächen sind außerdem als Regenspeicher gedacht. Das Regenwasser wird in den Gembdenbach abgeleitet, der bei Starkregen zum Überlaufen neigt, weswegen der Zwischenspeicher wichtig ist. Dezernent Gerlitz sagt, die begrünte Dachfläche sei auch für das Stadtklima besser.

Frau Rietz (Dez. 3) meint, seit 100 Jahren würde in der Stadt nach Bauhaus-Stil gebaut, und das sollte man beibehalten. [An dieser Stelle frage ich mich, warum man bei meinem Haus auf Spitzgiebel bestanden hat – auf der anderen Straßenseite gibt es Flachdach. Die Meinung der Stadtverwaltung scheint sich öfters mal zu ändern.]

Reinhard Wöckel (Linke) verweist auf Debatte im OTR, wo man das Projekt abgesegnet hat.

Hr. Fuchs (Seniorenbeirat) meint, anderswo passe das auch.

8/0/0 bestätigt

4. Zielkonzept ÖPNV-Erschließung des Wohngebiets Himmelreich

Vorlage: 19/2336-BV

Immerhin schon in der Sitzung bekommt man einen Übersichtsplan. In den Unterlagen gab es nur Straßennamen, und man konnte sehen, wie man sich die Streckenführung zursammenreimt.

Heiko Knopf (Grüne) fragt nach Fördermitteln. Er hat Bedenken, dass das Provisorium nicht funktioniert, weil es „auf Kante genäht“ sei. Die Bevölkerung würde der Stadt nicht mehrfach die Chance zur Nachbesserung geben. [Was, glaubt er, wird die Bevölkerung tun? Auswandern? Mit Dreschflegeln vors Rathaus ziehen?] Er findet es falsch, erst die Wiesenstraße zu bauen und dann die Straßenbahn. Man sollte wie die Brücke in Lobeda ein Provisorium bauen. Ansonsten würde es zu lange dauern und es wäre zu viel Rücksichtnahme auf den Individualverkehr. [Es gibt für Einpendler aus Richtung Norden genau eine Straße, aber der typische Grün-Wähler hockt in der Innenstadt und kann sich Einpendeln aus den Dörfern nicht vorstellen.]

Dezernent Gerlitz sagt, dass die Stadt bei der Einwerbung von Fördermitteln sehr erfolgreich sei. Das akute ÖPNV-Problem sei aber die Ersatzbeschaffung für die Straßenbahn. Das müsste spätestens nächstes Jahr passieren, weil man sonst die völlig unwirtschaftliche Hauptuntersuchung machen müsste. Sobald dafür eine Bestätigung vorliege, werde man sich auch wieder um Fördermittel für den Schienenbau bewerben.

Holger Becker (SPD) fragt, ob man nach Phase 1 noch mal korrigierend eingreifen könnte.

Herr Margull (Dez. 3) äußert sich gewohnt schwammig.

Reinhard Wöckel (Linke)  sagt, wir hätten schon vor 5 Jahren über die Wiesenstraße diskutiert und eine Vorzugsvariante festgelegt. Für den Straßenbahnbau sei sie dringend nötig. Die Deutsche Bahn sei beteiligt, und da könnte es mitunter sehr lange dauern.

Rosa Maria Haschke (CDU) findet es sehr schön, dass es jetzt eine Busverbindung geben soll. Fragt, ob man da auch eine Anbindung an die Bahn machen könnte (S-Bahn)

8/0/0 bkestätigt

5. Stellungnahme der Stadt Jena zum Entwurf des Regionalplanes Ostthüringen mit integriertem überarbeiteten Entwurf des Abschnittes 3.2.2 Vorranggebiete Windenergie (2. Entwurf) gemäß § 3 Thüringer Landesplanungsgesetz

Vorlage: 19/2318-BV

Hier wird es vollends zum Blindkuhspiel. In den Unterlagen gibt es zwar die Stellungnahme, nicht aber den Regionalplan. Wie sinnvoll oder sinnlos die Stellungnahme ist, kann man also schwer beurteilen. Die Frage nach Änderungswünschen oder Ergänzungen ist für mich deshalb ein schlechter Witz. Ich habe keine Ahnung, wovon die Rede. ist.

Elisabeth Wackernagel (CDU) sagt,die Stadt Jena sei in der Planungsgemeinschaft „immer gut vertreten“ gewesen. [Da fragt man sich freilich, warum eine so umfangreiche Stellungnahme mit Änderungswünschen nötig war.]

Noch besser: Das Landesverwaltungsamt hat wegen der einzuhaltenden Frist die Stellungnahme bereits – sie wurde am 10.06. eingereicht. Wir könnten aber noch Anmerkungen nachliefern.

Der derzeit wirksame Regionalplan ist von 2012. Nach 7 Jahren muss er fortgeschrieben oder überarbeitet werden. Teile zur Windenergie sind durch ein Urteil des Thüringer Oberverwaltungsgerichtes unwirksam geworden. Der Plan trifft Festlegungen zu Raumstruktur, Siedlungsstruktur, Infrastruktur, Freiraumstruktur. Im Jenaer Stadtraum gibt es keine Vorranggebiete für Windenergie. Das betrifft uns also nicht.

Die Stadtverwaltung hat eine teilweise sehr kleinteilige Stellungnahme geschrieben. Ein Problem sind Schutzbereiche für Kulturerbe – Klosterkirche Thalbürgel, Dornburger Schlösser und Burg Ranis haben Auswirkungen auf Jena. Dadurch werden höhere Bauten, auch Funkmasten, eingeschränkt.  Ranis ist 20 km entfernt, hat aber Auswirkung auf Lobeda und Göschwitz. Man könnte da keinen Funkmast errichten – aus Gründen des Denkmalschutzes. Die Stadt will außerdem B88 (Wiesenstraße), Umgehung Isserstedt und Umgehung Ilmnitz in der Planung haben.

Dezernent Gerlitz will was zur grundsätzlichen Rolle der Bedeutung sagen. Er meint, nicht alle Herausforderungen in Jena könnte man in Jena klären.

Ich frage nach, was man erreichen will, indem man Betriebe des Internet-und Versandhandel wie andere Ansiedlungen von Handel einer Anhörung unterwirft – auch Jenaer Händler verkaufen über Internet. Außerdem gibt es den Internethandel bereits, und es ist relativ wurst, wo genau das Logistikzentrum steht.

Fr. Rietz (Dez. 3)  meint, die neue Form des Handles sei nicht genau geklärt. Die Frage sei gewesen, ob man dafür Gewerbegebiete ausweisen müsste. Man will Klarheit, wie das rechtlich zu behandeln ist.

Reinhard Wöckel (Linke) verweist darauf, dass das Outlet-Center in Hermsdorf schon seit vielen Jahren in der Diskussion ist. Bei der Bebauung kritisiert er die Formulierung „obere Hanglage und Steilhänge“ – das sei eine Definitionsfrage, wo die Hanglage aufhöre und wo die obere Hanglage anfange. Es sei unklar, wozu der Jenzigfuß gehöre.

Dezernent Gerlitz versichert, dass mit dieser Formulierung nicht der Jenzigfuß gemeint sei. Er würde das Problem ernst nehmen.

Heiko Knopf (Grüne) meint, am Jägerbau sollte man Photovoltaik machen können. Da ist jetzt Landwirtschaftsfläche. Er würde einsehen, wenn es eine Hanglage wäre. Das ist es laut Gerlitz nicht.

Elisabeth Wackernagel (CDU) war an der Planung beteiligt. Sie behauptet, jede Fraktion habe die Unterlagen bekommen. Jede Geschäftsstelle habe das bekommen.

Ich rege mich auf, weil ich keine Geschäftsstelle habe und keine Fraktion bin. Man hat vor 6 Tagen eine Stellungnahme abgegeben, und der Stadtrat soll nur noch dazu nicken.

Dezernent Gerlitz sagt, es gäbe keinen Gremienvorbehalt, sondern sei autonomes Verwaltungshandeln. [Das ist offensichtlicher Blödsinn, denn dann wäre es keine Beschluss- sondern eine Berichtsvorlage. Wenn der Stadtrat beschließt, geht es ganz offensichtlich um die Zustimmung des Stadtrates.]

Hr. Köhler (Sachkundiger der CDU) fragt, wann damit zu rechnen ist, dass die Regionalplanung durch das Land überarbeitet wurde. Elisabeth Wackernagel (CDU) sagt, das dauere noch, weil sich alle Gemeinden erst einmal alle dazu äußern müssen.

Heiko Knopf (Grüne) stellt den Änderungsantrag, dass bei der Wiesenstraße der Nebensatz zu streichen ist, dass die Straße als Umleitungsstraße für die Straßenbahnerweiterung dienen soll  – 1/7 abgelehnt. [Ich finde diese Begründung besonders wichtig, weil damit Druck auf die Stadt aufgebaut wird.]

7/0/1 – da enthalte ich mich, weil ich das eigentliche Dokument nicht kenne und keiner Sache blindlings zustimme. Nie.

6. Campus Inselplatz- Vorstellung des Planungsstandes der Vorplanung des Parkhauses und der öffentlichen Freianlagen

Vorlage: 19/2319-BE

Fr.. Bergner (KSJ) berichtet über den Stand der Dinge. In Südrichtung soll es von der künfitgen Osttangente eine unterirdische Zufahrt zum Parkhaus geben. Im 4. Quartal 2025 soll der Bau abgeschlossen sein.

Ein Mensch des Büros Querfeld erklärt, Aufgabe sei gewesen, ein „Tableau zu schaffen für die Gebäude“. Man sollte in das Gebiet hineindiffundieren können. „Materialitäten sind am Format jenensis angelehnt“, sagt er. Später nennt er das Konzept auch mal „Formation“. [Dass sie sich an dieses Korsett halten möchten, lässt nichts Gutes erwarten.] Unruhig werde ich bei „Leuchtskulptur, die doch eher prägnant wirken soll“. Man könnte da auch Überwachungskameras installieren. Sie wollen Gingkos pflanzen, das habe „einen sehr schönen Aspekt“, außerdem Robinie, Hamamelis, Säulen-Hainbuche, Trompetenbaum und Kornelkirsche.

Ich weise voller Freude auf die Invasivität der Robinie hin. Der Stadtrat hat ja gerade beschlossen, nun doch keine invasiven Arten mehr haben zu wollen. Das verwirrt den Planer sichtlich, der offenbar noch nie etwas von invasiven Arten gehört hat. Außerdem frage ich nach der Abstrahlcharakterisitk der Lampen. Die Antwort ist an Vagheit schwer zu übertreffen. Eher nach allen Seiten. [Schönen Dank auch. Sie haben sich darüber und über Lichtverschmutzung offenbar keinerlei Gedanken gemacht, aber mit ihrer hochgradig versiegelten Gestaltung einen Wettbewerb gewonnen. Warum spielen funktionelle Aspekte dabei so gar keine Rolle?]

Rosa Maria Haschke (CDU) fragt nach der Erhaltung der Bäume am Löbdergraben und fordert, dass man alles tut, um die Bäume zu erhalten. Das ist aber nicht klar, weil da Leitungen hin sollen. Sie zitiert die Nachhaltigkeitsstrategie und verweist darauf, dass Betonsteine praktisch nicht zum Sitzen genutzt werden. Sie fragt, wie Kaugummi auf Betonplatten wirkt. – Der ist genau wie auf Naturstein lästig.

Heiko Knopf (Grüne) sind die Bäume auch wichtig. [Seit sie keinen Dezernenten mehr haben, machen sich sogar die Grünen Sorgen um die Stadtbäume …] Der Planer sagt, für mehr Bäume sei es zu eng.

Reinhard Wöckel (Linke) unterstützt die Forderung nach Erhaltung der Bäume. Kritisiert die Fällung der Japanischen Kirschen am Eingang zum Steiinweg.

Code Unique, das Büro, das den Wettbewerb für die Gebäude gewonnen hat, berichtet über die Parkhausplanung. Zunächst aber über überdachte Radständer. Fein. Die

Parkhaus Zufahrt  soll im Untergeschoss von Am Anger angeordnet werden. Man verfolgt einen Halbgeschoss-Aufbau, wo eine Hälfte des Gebäudes um ein halbes Geschoss gegen die andere versetzt ist. Dadurch hat man nur kleine Rampen und spart sich große Auffahrten. Im Erdgeschoss wird außen Gewerbe eingeordnet. Fassaden sind wegen Schallschutz und Emissionen geschlossen ausgebildet, dadurch wird aber der Brandschutz wieder schwieriger. Es werde ein „stringentes Fassadenraster“ geben, mit „Materialität und Haptik“ mit Leichtbeton-Sinterplatten, Man will auch Licht ins Parkhaus bringen.

Ein Vertreter des Kfz-Beirats findet gut, dass man eine Zufahrt von Süden von der Osttangente mit einordnen will. [Ansonsten hätte man den Verkehr fröhlich im Kreis um den Komplex herum geleitet.]

Hr. Köhler (Sachkundiger der CDU) fragt, ob die 40 Parkplätze für e-Mobile Dauerparkplätze wären. So weit ist man mit der Überlegung aber nicht, denn dem Planer ist die Parkraumbewirtschaftung völlig egal.

Rosa Maria Haschke (CDU) fragt nach der Fassade zum Anger hin. Antwort: Es werde eine Festverglasung sein, die eine gewisse Transparenz ins Parkhaus bringe. Man weiß aber noch nicht, wie viel Transparenz man reinbringen möchte.

Eine Erweiterung um weitere 3 Stockwerke hält Dezernent Gerlitz für sehr fraglich.

Heiko Knopf (Grüne) freut sich, dass die Fassade nicht stupide aussieht

7. Informationen aus dem Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt

7.1. INFORMATION zum Vorentwurf VBB-J 43 „Neue Carl-Zeiss-Promenade“

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan stammt vom Büro Albert Speer + Partner. Der Planer verfällt auch in Architektenlyrik: es gehe um die „Öffnung in die Stadt hinein“ und  „Vernetzung“. Es solle ein skalierbares System sein, um erweiterbar zu sein. Er lobt die „Präzision der Baukörper“ und nennt sie „eine einladende Geste“. Der Bebauungsplan liegt bei der Verwaltung; die Auslegung kommt demnächst. Das Ganze wird 89.580 m² Nutzfläche haben [Das wäre dann etwa 10.000 m² unter Nitzsches Wachstumsstrategie, erfüllt den Plan also fast vollständig.] Man müsse den Plan hinreichend konkret machen, aber man will Bauherrn und Architekten möglichst viel Spielraum lassen.

Die Verbindung zwischen Lichtenhainer Straße und Schottstraße wird in städtische Straßenbaulast übergehen, also eine öffentliche Straße. Auch der Sandweg wird auch neu gestaltet.

Man plant die Anpflanzung von 60 Laubbäumen, 50 Sträuchern, 12 Straßenbäumen in „neuer Carl Zeiss Promenade“ und extensive Dachbegrünung auf 25 % der Dächer. Die Straßenbäume sind jedoch noch nicht sicher.

Ich frage nach Gewerbelärm, dem Geräuschpegel der Klimaanlage und wie man denn bei so viel Glas nach Südosten mit der Sonneneinstrahlung umgehen möchte.

Der Planer erklärt stolz, die Arbeitsplätze würden voll klimatisiert sein. Glas sei ein Symbol für die Offenheit des Gebäudes. Man untersuche bausphysikelaische Askepte. Wo man die Klimaanlage verorten will, weiß man noch nicht. [Und dass ich auf den ökologischen Unsinn hingewiesen habe, erst die Sonne in des Symbol für Offenheit zu lassen und dann mit viel Energie die Wärme wieder hinauszuschaufeln, hat er anscheinend gar nicht wahrgenommen. Ich arbeite in einem ähnlichen Symbol für Offenheit – trotz Klimaanlage mit bis zu 28°C im Sommer. So viel zur Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt.]

Heiko Knopf (Grüne) fragt nach Einflüssen auf das Grundwasser. Dazu gibt es Empfehlungen.

Friedrich-Wilhelm Gebhardt (SPD) meint, was da gebaut werde, könnte auch andere Gebäude der Stadt verändern, weil sie nicht mehr zeitgemäß seien.

Hr. Köhler (Sachkundiger der CDU) ist von der Architektur auch begeistert. Für die Innenstadt hätte er sich auch mehr Mut zur Gestaltung gewünscht.

Dezernent Gerlitz berichtet, man habe die Anlieger schon angeschrieben und plane öffentliche Veranstaltungen, um Betroffene zu informieren.

7.2. INFORMATION zum Vorentwurf VBB-J 41 „Steinweg-Tower“

Auch hier kommt der vorhabenbezogene Bebauungsplan von Albert Speer + Partner. Die Visualisierung des Hotel- und Büroturmes ist vor allem eines: potthässlich.

Herr Waldhelm, der Architekt des Investors Graf von Wedel, kippt wieder einmal einen Eimer Situationen über uns aus: Portalsituation, Atriumsituation, Innenhofsituation, Eingangssituation und Grundsituation. Fakt ist: Das Ungeheuer soll 80 m hoch werden, mit 3 Einzelblöcken von 20,3 m, 29,8 m und 78,90 m. Dazu sollen 3 Untergeschosse mit 197 Stellplätzen kommen. Das Problem dabei: Davon sind schon 30 vom Bau auf der anderen Straßenseite als Baulast auf diesen Bau übertragen worden. Außerdem müssten nach der Bauordnung 351 Stellplätze für den 19-Geschosser mit Hotel, Büros und ein wenig Wohnen nachgewiesen werden. Bleibt ein Minus von 184. [Bei der Übertragung der 30 Stellplätze vom Intershop-Bau auf den Hotelturm habe ich bereits gefragt, wie man sich das vorstellt. Damals hieß es, das werde man definitiv hinkriegen. Wie man sieht …] Es soll 84 Fahrrad-Stellplätze geben. Zu den nicht nachgewiesenen Stellplätzen gibt es angeblich Verhandlungen.

Das Mikroklima spielt eine Rolle für die Planung. Stichtage für die Besonnung der Nachbarschaft sind der 17. 1. (da soll es minimal 1 h sein) und der 21. März (minmal 4 h). Es gibt in der Nachbarschaft Fassaden, wo diese Orientierungswerte schon jetzt nicht eingehalten werden. Durch die Beplanung ist eine Verringerung von 20 bis 25 % zu erwarten; durch Änderung der Geometrie sind keine wesentlichen Verbesserungen im Nahbereich möglich. [Das scheint man mal wieder unter „ist halt so“ abzuhaken, statt darüber nachzudenken, ob das Vorhaben vielleicht grundsätzlich fehlerhaft ist.]

Es gibt das Gebot der nachbarlichen Rücksichtnahme. Kriterien in der Rechtsprechung sind „erdrückende Wirkung“, „die Luft nehmen“, „Gefühl des Eingemauertseins“ oder „Gefängnishofsituation“, Eine Zumutbarkeit wird angenommen, wenn mindestns 2 Himmelsrichtungen unverbaut sind, d. h. das Hochhaus nicht unmittelbar in Blickrichtung steht. [Das verspricht für die Anlieger sehr spannend zu werden.]

Dezernent Gerlitz lobt, das Projekt zeuge von hoher Zuversicht in die Entwicklung der Stadt. Es werde im Gegensatz zu Zeiss aber kontrovers diskutiert. Er meint, wir brauchten hässliche Hochhäuser, um den naturnahen Raum zu erhalten. [Warum eigentlich? Warum müssen wir wachsen, bis die Stadt so widerlich aussieht wie andere Städte?]

Heiko Knopf (Grüne) fragt nach Kita daneben. – Die werde im schallschutztechnischen Gutachten berücksichtigt.

Rosa Maria Haschke (CDU) fragt, wie dicht der Lkw-Verkehr an die Kita herankomme und wie die Zufahrt geregelt sei. Architekt Waldhelm redet rundherum. Verweist auf den Schallschutz.

Ich frage, welche Auswirkungen das Ganze auf den Radverkehr hat und ob sich dessen prekäre Situation an dieser Stelle verbessern werde. Das weiß der Mann von Albert Speer nicht. Es sei Sache der Stadt.

Herr Fuchs (Seniorenbeirat) kritisiert die Verschattung, wenn es noch 25 % dunkler wird. In Zwätzen hätte der 20-Geschosser angeblich niemanden gestört. [Obwohl er da auch südlich der Bestandsbebauung gestanden hätte.]

Ich frage nach, ob das mit den drei Tiefgaragen-Geschossen ernst gemeint ist, oder ob es wie beim Intershop-Bau heißen wird, dass mehr als ein Geschoss zu kompliziert und teuer werde. Außerdem will ich wissen, wie der Einfluss der Tiefgarage auf das Grundwasser ist und – wie man mit der Sonneneinstrahlung in den Glasturm umzugehen gedenkt. Ich arbeite nämlich in einem Symbol der Offenheit, das Architekt Waldheim im Auftrag des Grafen von Wedel konzipiert hat, und im Sommer haben wir trotz Klimaanlage zuweilen 28°C im Büro …]

Man sagt mir, die 2. Tiefgaragenebene bei Intershop sei gestorben, weil man aus Brandschutzgründen eine 2. Zufahrt gebraucht hätte, wenn man über 100 m² käme. Einen Eingriff ins Grundwasser gäbe es natürlich, aber dazu gäbe es eine Studie Empfehlungen, [die uns nicht vorliegt.] Angeblich werde es keine komplette Glasfassade. Das sei nur ein Volumenmodell. Es werde Klimatechnik geben, die vermutlich aufs Dach kommt und ein Schallschutzgutachten bekommt. [Noch einer, der Energieverbrauch für eine lässliche Sünde hält.]

Reinhard Wöckel (Linke) ist auch nicht von der Planung überzeugt.

Herr Köhler (Sachkundiger der CDU) sagt, der Hochpunkt sei dort festgelegt. Wenn man die Wohnfrage, die Wachstumsfrage und die Bürofrage lösen wolle, müsste man Hochhäuser bauen. Er hätte aber auch gern eine Lösung für die Stellplätze. [Der Hochpunkt war laut Hochpunktstudie auf der anderen Straßenseite eingeordnet, wo er das Parkhaus nicht sonderlich gestört hätte, und er war erheblich kleiner.]

Der Mann vom Kfz-Berat fragt nach der Zufahrt für die Tiefgarage und bekommt zu hören: „Diese Frage müssen wir weiter bearbeiten.“

Die öffentliche Auslegung soll genau wie die zum Zeiss-Bau am 17.06.2018 beginnen. Das sollten sich die Betroffenen genau ansehen.

8. Sonstiges

Darauf hat nach so langer Zeit keiner mehr Luat.

 

21:33 Uhr ist meine letzte Sitzung als Stadträtin zu Ende. Es war wie immer anstrengend, und wie immer sind meine Fragen mehr abgewimmelt als beantwortet worden.

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